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Remscheid
Ein seidenes Netz aus silbrigen Klängen

Remscheid: Ein seidenes Netz aus silbrigen Klängen
Die Solistinnen Ada Tamir und Sonja Kamnitzer (hinten) am Cembalo beeindruckten beim Konzert mit dem Lenneper Kammerorchester., FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Furioser Abschluss der Cembalotage in der Evangelischen Stadtkirche in Lennep. Kammerorchester spielte mit. Von Gisela Schmoeckel

Aufmunternd begann am Sonntagnachmittag das Abschlusskonzert der neunten Cembalotage. Das Allegro in Vivalids A-Dur Konzert für Cembali und Streicher eröffnete im schnellen, gut intonierten Unisono-Spiel der Streicher, federnd leicht, bis sich der weit gespannte Tonraum durch silbrig schimmerndes, schnell und mitreißend wirbelndes Klanggestöber des Cembalospiels mit temperamentvollem Licht füllte. Die beiden französischen Cembali aus den Werkstätten von Detmar Hungerberg und Lutz Werum, erbaut nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert, machten gleich schon am Anfang die Zuhörer mit ihrem eleganten und farbreichen Klang glücklich. Nach den lehrreichen und virtuosen Konzerten für ausgesprochene Kenner mit Michael Borgstede über den Stil des Barock-Komponisten Froberger und seine Zeitgenossen am Samstag war nun ein deutlich größeres Publikum mit mehr als 100 Besuchern in die Lenneper Stadtkirche gekommen.

Die Solistinnen Ada Tamir und Sonja Kamnitzer musizierten in lebhaftem, aufmerksamen Dialog mit dem Lenneper Kammerorchester, und Kantor Johannes Gessner. Wie ein Fels in der Brandung steuerte er umsichtig und einfühlsam das ereignisreiche Geschehen der Barockmusik. Nach dem liedhaften Andante folgte in heftiger Pünktlichkeit mit fantastisch schnellen Soli der Cembali das Finalallegro. Als meisterhafte Solistinnen stellten sich Sonja Kemnitzer mit Rameaus vielfarbigen Variationen der" Gavotte avec Doubles" und Ada Tamir mit Couperins Prélude d-Moll vor, beide so virtuos und zugleich einfühlsam spielend, es war eine reine helle Freude!

In diesem Jahr wird das Lenneper Kammerorchester 45 Jahre alt und es hat unter Johannes Gessners Leitung an Format gewonnen. Ohne Verstärkung durch Berufsmusiker spielte es die Rolle des Gesprächspartners und Untermalers mit den herrlichen Cembali zuversichtlich, Es entstand der Eindruck echten, lebhaften Musizierens, so dass auch die kleine Panne in der ausufernden Fuge von Sammartini in diesem lebendigen Konzert einfach dazu gehörte.

Im zweiten Konzertteil kam es zu einer Uraufführung: Rameaus "Pieces de Clevecin en Concert" aus dem Jahr 1741 in einer Ausarbeitung für Streichorchester und zwei Cembali durch Kantor Johannes Gessner. Locker, in federnden Passagen gespielt, mit sehr hübsch abgesetzten, grazil hüpfenden Staccatopartien. Fröhlich klang das "L'Agaçente" mit den zauberhaft duettierenden Cembali, durchsichtig und musikantisch die fantasievollen Menuette. Grandios zum Schluss mit dem fantastisch sich steigernden, prasselnden und sich verdichtenden Spiel der beiden Cembali erklang Johann Sebastian Bachs Konzert C-Dur BWV 1061.

Der Beifall nach diesem Konzert wollte nicht enden, so dass es als Zugabe noch einmal den dritten Satz aus Vivaldis Konzert in flottem Allegro-Tempo zu hören gab. Traurig und doch in Vorfreude auf die nächsten Cembalotage in zwei Jahren nahm das Publikum Abschied von den Ereignissen um die schönen, kunstvollen Instrumente aus den heimischen Werkstätten Platte, Hungerberg und Werum. Der Verein Pro Arte hat diese Konzertreihe unterstützt.

Quelle: RP
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