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Serie Stille Momente
Ein Stadion für sich ganz alleine

Ein Stadion für sich ganz alleine
Ein Stadion für sich ganz alleine FOTO: Peiseler Christian
Remscheid. Nirgendwo kann das Sommerloch tiefer sein als auf der Tartanbahn in Reinshagen. Fettschwarze Krähen fühlen sich dort schon aufreizend sicher.

Der Morgen gehört der Tartanbahn im Stadion Reinshagen. Für die schnellen Läufe zwischen den Runden durch die Wupperberge. Und um die Einsamkeit des Läufers mit etwas Geselligkeit zu erfrischen. Ich laufe gerne am Sonntagvormittag ins ehrwürdige Stadion ein, weil dort ein heiterer Trubel an sportlichen Betätigungen herrscht. Ergraute Freizeitkicker auf dem Kunstrasen spielen Drei-gegen-Drei und achten darauf, keinen Schritt zu viel zu laufen. Die gepanzerten Spieler von Amboss Remscheid wärmen sich in Formation auf und tanken Mut durch martialische Ausrufe. Die Kickboxer widmen sich dem ungeliebten Konditionstraining und klatschen sich nach jeder 400-Meter-Runde lobend ab.

Doch in den Ferien lässt sich keiner blicken. Auch die flüchtige Läuferbekanntschaft nimmt sich eine Auszeit. Nirgendwo könnte das Sommerloch tiefer sein als im Stadion Reinshagen an einem Sonntagmorgen im August. Inzwischen fühlen sich schon die fettschwarzen Krähen aufreizend sicher in dieser Sportarena. Sie hocken auf den Eisenstangen am Rande, an denen sonst Zuschauer lehnen und das Geschehen auf dem Rasen verfolgen. Wenn die gedämpften Schritte des einsamen Läufers weit genug entfernt sind, wagen sie einen Ausflug auf den hoch gewachsenen Rasen, um Würmer zu picken. Die Tage der Krähen im Stadion sind gezählt. Ende August wird alles wie immer sein. Ich freue mich drauf, auch wenn es sich erhaben anfühlt, ein Stadion für sich allein zu haben.

CHRISTIAN PEISLER

Quelle: RP
 
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