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Remscheid
Eine Arche für die Pflanzenvielfalt im Bergischen Land

Remscheid: Eine Arche für die Pflanzenvielfalt im Bergischen Land
Nadja Hildebrand und Helmut Leopold wollen alte Kulturpflanzen erhalten. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Die Welt der Pflanzen im Bergischen Land war um 1950 noch sehr vielfältig. Dann kam erst die Industrialisierung der Landwirtschaft und dann der Trend zu Pflanzen aus Gartencentern. Inzwischen sind viele alte Kulturpflanzen verschwunden - eine bedrohliche Entwicklung, die die Bergische Gartenarche aufhalten will. Von Melanie Aprin

Nadja Hildebrand (45) und Helmut Leopold (67) sind keine gewöhnlichen Gartenfreunde: Die dreifache Mutter und der Pensionär verfolgen ein Ziel, das über die reine Freude am Werkeln in der Natur hinausgeht. "Was wir hier machen, ist eigentlich ein Teilzeitjob", scherzt Hildebrand, die sich wie Leopold ehrenamtlich im Vorstand des Wuppertaler Vereins Bergische Gartenarche engagiert.

Dieser Verein will wie viele andere Vereinigungen auch die biologische Vielfalt auf dem Planeten bewahren. Er geht dabei jedoch seinen eigenen Weg. Denn den Wuppertaler Pflanzenliebhabern liegen in erster Linie die Gartenschätze des Bergischen Landes am Herzen. "Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren diese lokalen Schätze noch weit verbreitet", erklärt Leopold bei einem Treffen auf dem Permakulturhof vorm Eichholz. Die Umgebung und das Gut im Dreieck der Wuppertaler Stadtteile Elberfeld, Cronenberg und Ronsdorf sind ideal, um den Besucher in eine vergangene Zeit zu versetzen. "Als dieser Resthof noch bewirtschaftet wurde, existierte noch kein halbes Dutzend Konzerne wie Monsanto, die den weltweiten Markt für Saatgut beherrschten", sagt Leopold und zeigt eine Handvoll trockener Bohnen her.

"Das hier zum Beispiel ist die ,Blaue Salatbohne'. Sie ist eine historische Pflanze, die vor gut 50 Jahren in unserer Region noch angebaut wurde. Heute weiß kaum noch einer, wie man sie kocht oder ihr Saatgut für das nächste Jahr erhält." Weil es viele solcher fast vergessenen Archepflanzen gibt, soll der ehemalige Bauerngarten des Hofes zu einem Arche-Schaugarten umgestaltet werden. "Hier wollen wir unsere Bergischen Pflanzen präsentieren und über Anbau und Verwendung informieren. Passend dazu würden wir gerne Arbeitsräume einrichten. Hierfür fehlt uns aber leider das Budget", erklärt Hildebrand, der schon froh wäre, wenn der Verein das Geld hätte, um den ehemaligen Schweinestall des Guts in ein Treibhaus umzuwandeln. "Dann müssten wir die vielen Ableger, die wir aus alten Gärten erhalten, nicht immer in unseren Wohnzimmern ziehen", sagt die gelernte Staudengärtnerin und Landschaftsarchitektin lachend.

In ihrem Garten zu sehen sind zahlreiche Heil- und Küchenkräuter, Stauden, Nutz- und Ziergehölze sowie ein- und mehrjährige Pflanzen. "Man braucht zum Teil viel Geduld, um das alles ernten zu können oder wachsen zu sehen", sagt Hildebrand und erfreut sich an einer Dahlien-Sorte, die in diesem Oktober ganz besonders schön blüht. Die Freude an der Blüte sei auch der Grund gewesen, warum es früher zudem üblich war, Saatgut und Ableger von Blumen zu tauschen.

"Man reichte dem Nachbarn eben nicht nur Nutzpflanzen über den Zaun, sondern auch Pflanzen, die man später pflücken und in die Blumenvase stellen konnte", ergänzt Leopold. "Inzwischen dominiert das Angebot der Gartencenter und Supermärkte die Pflanzenkultur in Haus und Garten. Mit den alten Kulturpflanzen des Bergischen Landes hat das kaum noch etwas zu tun." Weshalb sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur das grüne Erbe massiv reduziert habe.

"Auch die heimischen Insekten haben unter diesen Veränderungen gelitten. Es wäre gut, wenn die Menschen nicht gleich jede Blattlaus wegspritzen würden. Immerhin gibt es auch in der Natur regelnde Kräfte. Man muss ihnen jedoch vertrauen und sie wirken lassen." Heute sei es aber oft so, "dass die Leute in ihren Gärten viel zu schnell einen Radikalschlag machen und nicht abwarten, wie sich bestimmte Pflanzen und Pflanzengruppen entwickeln". Was schade sei, ergänzt Leopold, "denn nicht nur wir Menschen bilden als Nachbarn gerne Gemeinschaften."

Mischkulturen würden es jedoch bedingen, "dass die Leute insbesondere in den alten Gärten nicht alles gleich herausreißen, was Arbeit bedeutet oder nicht jedes Jahr blüht". Wer das trotzdem mache, zerstöre ungewollt natürliche Verhältnisse, die sich über einen langen Zeitraum herausgebildet haben, und vernichte nebenbei auch noch alte Kulturpflanzen, die als solche oft nicht erkannt werden.

Quelle: RP
 
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