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Remscheid
Eine Bilderreise in das Mittelalter

Remscheid: Eine Bilderreise in das Mittelalter
Als die "Bonte Kerke" schlechthin wird die Kirche in Lieberhausen bezeichnet. Hier der Altar mit prächtigen Gemälden. FOTO: Horst Rosen
Remscheid. Die "Bonte Kerken" im Oberbergischen, erbaut im 11. bis 13. Jahrhundert, sind mit farbenprächtigen biblischen Motiven ausgemalt. Jede Kirche hat ihre Besonderheiten. Die Wand- und Gewölbemalereien erzählen viele Geschichten. Von Horst Rosen

Warum in das ferne Italien reisen, um sich dort farbenfrohe Wandmalereien anzuschauen, wenn sie hier im Oberbergischen so nahe liegen? Die fünf kleinen Kirchen, allesamt mit Turm und weißem Anstrich versehen, wirken gedrungen in ihrem romanischen Stil. Sie stehen in oberbergischen Dörfern, umgeben von reizvollen Fachwerkhäusern. "Bonte Kerken" , also "Bunte Kirchen", werden sie genannt.

Erbaut wurden die Kirchen im 11. bis 13. Jahrhundert. Warum sie so genannt werden, entdeckt der Besucher erst beim Betreten der Gotteshäuser. Decken und Wände sind mit teils großen, farbenprächtigen biblischen Motiven - Fresken - ausgemalt. Sie erzählen Geschichten für eine Bevölkerung, die zu jener Zeit weder schreiben noch lesen konnte. Nur drei Prozent, überwiegend der Klerus, besaß diese Fähigkeiten.

Kreuzgewölbe und Chor der Kirche in Wiedenest. FOTO: Horst Rosen

Jede dieser Kirchen hat ihre Be-sonderheiten. Die dreischiffige Pfei-lerbasilika in Marienheide-Müllenbach wurde als Wehrkirche für die ländliche Bevölkerung ausgebaut. Im südlichen Seitenschiff zeigt sie Franz von Assisi in dem Moment, nachdem er die Wundmale Christi an Händen und Füßen erhalten hatte. Es ist das älteste Fresko nördlich der Alpen. Im Kirchturm hängt die 250 kg schwere Hochzeitsglocke. Sie gehört zu den ältesten Glocken im Rheinland.

Die Kirche in Gummersbach-Lieberhausen ist die "Bonte Kerke" schlechthin. Keine ist so bunt ausgestattet wie diese. In der Reformationszeit, also in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, erhielt sie noch mehr Bilder. Und das, obwohl die evangelische Kirche in ihren Richtlinien keine bildlichen Dar-stellungen in Sakralbauen vorsah. Als sich die Herrscher, die Grafen im Homburgischen Land, der sehr strengen Lehre des Reformators Calvin unterwarfen, verschwanden um 1630 die Malereien und wurden in Müllenbach mit weißer Farbe übertüncht. In der Nachbargemeinde Bergneustadt-Wiedenest ist das Verschwinden der Bilder nicht bekannt. Die Kirche wurde außerhalb der Wiedenester Tallandschaft im Südwesten der umliegenden Streusiedlungen im 11. Jahrhundert erbaut. Auch heute ist sie nicht in die Ortschaft eingebunden, sondern bildet zusammen mit den wenigen, benachbarten Fachwerkhäusern sowie dem heiligen Brunnen und dem Friedhof einen eigenen Siedlungsteil. Darüber freuen sich sicherlich heutzutage die Autofahrer, die auf dem großzügigen Parkplatz an der B 55 unterhalb der Kirche ihr Fahrzeug abstellen können. Oder sie fahren direkt zu der "Heiligen Quelle", die fußläufig rund 60 Meter oberhalb der Kirche liegt.

Das Chorschiff in Marienberghausen. FOTO: Horst Rosen

Diese Quelle diente wohl schon bei den heidnischen Vorfahren als Kultstätte. Vermutlich ist dies der Grund, warum die Kirche an dieser Stelle gebaut wurde. Ihr wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Heute füllen die Quellenbesucher ihre vielen mitgebrachten Gefäße mit dem stets kühlen Wasser. Die Kirche selbst wirkt innen heller, freundlicher und nicht so gedrungen wie z.B. in Lieberhausen. Die Stühle und Bänke sind neueren Datums. Im Frühjahr 2015 wurden die Wandmalereien für fast drei Monate in Sisyphusarbeit von einem Restauratorenteam aus Köln in der Kreuzkirche saniert.

Die Kirche in Wiehl-Marienhagen ist sehr eng umbaut und wirkt ein wenig geduckt in der dörflichen Umgebung. Bekannt geworden ist diese Kirche wegen ihrer reichhaltigen Ausmalung im Chor mit einem Gemäldezyklus der frühen Gotik. Es sind die Originale von 1310 zu sehen.

Die kuriosen Besonderheiten der Marienberghausener Kirche in Nümbrecht befinden sich im Gewölbe des Chorraums. Dort findet man nach gründlicher Suche beispielsweise ein Dudelsack blasendes Schwein. Das war das Instrument der Spielleute im 15. Jahrhundert. Die Wand- und Gewölbemalereien erzählen viele Geschichten. Führungen in den "Bonten Kerken" sind über die jeweiligen Gemeindeämter möglich. Doch sie sind keine Museen.

Quelle: RP
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