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Ansichtssache Bergische Symphoniker
Eine Chance bei der Publikumspflege vertan

Remscheid. Bei der Suche nach einem Nachfolger für Generalmusikdirektor Peter Kuhn hätten die Besucher mehr mit einbezogen werden können.

Festakt am Tag der Deutschen Einheit, Konzert mit Kandidaten für die Stelle des Generalmusikdirektors und Auftritt mit Sänger Max Mutzke - was diese drei Veranstaltungen der Bergischen Symphoniker im Teo Otto Theater verbindet, ist: ein ausverkauftes Haus. Volle Ränge sind das stärkste Argument für die Wertschätzung des Orchesters, wenn auch nicht das einzig wichtige. Es gibt in Remscheid eine überschaubare Zahl an Bürgern, auf der sich der Musikbetrieb stützen kann. Doch diese meist bürgerlichen Stützen müssen gepflegt und umworben werden. Insofern begleiten ein paar Misstöne die Bewerbungskonzerte. Sie hätten viel besser vermarktet werden müssen. Im Programmheft befindet sich zum Beispiel kein Hinweis in dem kurzen Text über Fabrizio Ventura, dass er sich auf die GMD-Stelle beworben hat. Wie in jedem Programmheft gibt es einen kurzen Lebenslauf. Warum kein Interview, das Auskunft gibt über seine musikalischen Vorlieben, über seine Auffassungen von Musik, über seine Vorstellung von einem gelungenen Spielplan und seinen Ideen, wie er neues Publikum in einer Arbeiterstadt wie Remscheid gewinnen möchte? Alles Fragen, die den Konzertbesucher neben der Musik brennend interessieren. Vor zehn Jahren, als es um die Nachfolge von GMD Romely Pfund ging, gab es im Probenraum am Bruch öffentliche Proben. Wer wollte, konnte den Kandidaten bei der Arbeit zuhören. Noch publikumswirksamer gestaltete sich die Bewerbung um dieses wichtige kulturelle Amt in Remscheid und Solingen vor 20 Jahren mit zwei finalen Konzerten. Die beiden Kandidaten, die am Schluss übrig blieben, dirigierten an einem Sonntagmittag. Im Teo Otto Theater saßen die Leute auf den Treppenstufen - so groß war das Interesse. Der neue Generalmusikdirektor muss nicht nur großes Vertrauen bei den Orchestermusikern genießen, er muss auch beim Publikum gut ankommen. Seine Person verkörpert das Orchesters, er steht für einen wichtigen Teil des Musiklebens in der Stadt. Da wäre es in der heutigen Zeit, in der die Identifikationskräfte mit der klassischen Musik zu schwinden scheinen, wichtig gewesen, dem Publikum das Gefühl zu geben, bei diesem Prozess stärker mit eingebunden zu sein. So gibt es lediglich noch zwei Bewerbungskonzerte. Danach stimmen die Musiker ab. Der Vorschlag geht an die Findungskommission - die in der Regel dem Votum der Musiker folgt.

CHRISTIAN PEISELER

Quelle: RP
 
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