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Remscheid
Eine Portion Gesellschaftskritik

Remscheid: Eine Portion Gesellschaftskritik
"Ni" ist ein gesellschaftskritisches Stück, in dem die Darsteller die Mechanismen von Populismus beleuchten. Foto: Segovia-Buendía FOTO: Cristina Segovia-Buendia
Remscheid. Das Jugendtheaterprojekt "Close Up" präsentiert in Wuppertal das Stück "Ni". Von Cristina Segovia-Buendía

WUPPERTAL Nach der spektakulären Aufführung von "Tenebris" im Februar im Teo Otto Theater meldet sich das Wuppertaler Jugendtheaterprojekt "Close Up" am Wochenende mit seiner neuen Inszenierung "Ni" zurück. Es ist erneut ein gesellschaftskritisches Stück, in dem die Jungdarsteller nun die Mechanismen von Populismus beleuchten.

"Wenn alles perfekt ist, vergessen die Menschen, was zu verteidigen ist", sagt der junge Mann (Volkan Örcün, 25), stattlich gebaut, seine halblangen schwarzen Haare zu einem Herrenzopf zusammengebunden. Er ist der Redakteur einer Tageszeitung eines kleinen Dorfes, das es so überall in Deutschland geben könnte. Idyllisch, wo jeder jeden kennt und das sich durch seine altehrwürdigen Traditionen charakterisiert. Und obgleich die Fassade des Mannes weltoffen erscheint, dahinter verbirgt sich ein starrer Nationalist, der bereit ist, ethische Prinzipien über Bord zu werfen, um das Alte (seine Traditionen) zu bewahren. "Wenn es keine Fakten gibt, müssen wir sie eben erfinden." Da passt es gerade gut, dass eine Fremde ins Dorf kommt, auf der alles Schlechte, was in der Gemeinde passiert, abgeladen werden kann. Dass der Redakteur dabei selbst nur die Marionette eines ambitionierten, politischen Außenseiters ist, bemerkt er nicht.

Mit diesem Stück legt das Jugendtheaterprojekt "Close Up" - unter künstlerischer Leitung von Charlotte Arndt und Dilara Baskinci - erneut den Finger in die offene Wunde unserer Gesellschaft. Während "Tenebris" eine andere Sicht auf die Flüchtlingsproblematik eröffnete, nimmt "Ni", das in der Plansprache Esperanto für "wir" steht, die andere Seite der Medaille unter die Lupe. Nämlich die des Populismus. Manipulation, Fake-News, Stimmungsmache, deren Auswirkungen sich nicht nur nach der Präsidentschaftswahl in den USA beobachten lassen.

Das Stück, das in den vergangenen sechs Monaten in Zusammenarbeit mit den Darstellern entstanden ist und mit eigens komponierter Musik des "Royal Street Orchesters" abgerundet wird, beinhaltet nicht nur viel Symbolik, sondern ist auch mit viel Wortspiel gespickt: ein großer Haufen Erde, 250 Kilo, liegt etwa vor der Bühne und komplettiert das Bild. Die Erde steht für das Vaterland, symbolisiert aber auch den Nährboden für Populismus, in dem die Sprecherin (gespielt von Yvonne Wille, 17) wie ein gieriger Wurm wühlt.

"Wem gehört diese Erde überhaupt?", fragt sich Baskinci. "Bestimmt der zufällige Geburtsort darüber, wem dieses Stück Erde gehört?" Fragen, auf die das Ensemble aufmerksam macht, die dem Zuschauer jedoch nicht beantwortet werden. Das Publikum wird unbewusst Teil des Stücks, indem es stillschweigend dabei ist und zuschaut, wie sich die Stimmung auf der Bühne zuspitzt. Premiere: Samstag, 7. April, 19.30 Uhr, im Haus der Jugend Barmen, Geschwister-Scholl-Platz 4. Der Eintritt ist frei. Spenden erwünscht. Die zweite Vorstellungist ist am Sonntag, 8. April, 18 Uhr. Kartenreservierung: Telefon 02 02 / 56 36 332 oder per E-Mail an martina.wagner@stadt.wuppertal.de

Quelle: RP
 
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