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Remscheid
Eine Straße, die man abschließen kann

Remscheid. Für die Stadt hat die Ausfahrt bei Kremer in Lennep "Straßencharakter". Anlieger nennt Regelung "unfallträchtig". Von Henning Röser

Sie wird abends mit einer Schranke abgesperrt, sie trägt kein Schild, das einen Namen anzeigen würde und sie endet auf einem Kundenparkplatz. Für die Stadt Remscheid ist die Aus- und Zufahrt des Gartencenters Kremer in Lennep gleichwohl eine "Einmündung mit Straßencharakter". Heißt praktisch: Wer von hier aus auf die Lüttringhauser Straße einbiegt, wird zwar zunächst durch ein Stop-Schild zum Anhalten aufgefordert, hat aber danach nach Paragraf 8 der Straßenverkehrsordnung ("rechts vor links") als Rechtsabbieger Vorfahrt.

Das hat Gerd Schaumlöffel jetzt schriftlich. Der Anlieger der Platanenallee hat in einer Anfrage für den Beschwerdeausschuss der Stadt auf die aus seiner Sicht problematische Situation vor seiner Haustür hingewiesen und unter anderem mit den eingangs genannten Punkten argumentiert, dass die Ausfahrt nicht wie eine Straße bewertet werden darf.

Er sieht die Verkehrsteilnehmer von der Stadt "in die Irre" geführt. Er beobachtet vor allem dann kritische Situationen, wenn die Anlieger des Wohngebiets aus der Platanenallee nach links auf die Lüttringhauser Straße abbiegen, um in Richtung Lennep zu fahren. Dass die aus der gleich gegenüber gelegenen Ausfahrt des Gartencenters kommenden Autofahrer sich auf einer "Straße" bewegen, und darum Vorfahrt vor den Linksabbiegern haben, schaffe Konflikte. Schaumlöffel spricht in seinem Schreiben an die Stadt von einer "unfallträchtigen Verkehrsregelung".

Diese Ansicht teilt die Stadt nicht. "Entgegen der Vermutung des Petenten handelt es sich bei dem beschriebenen Einmündungsbereich nicht um einen unfallauffälligen Bereich", heißt es in einer Stellungnahme für die Politik. Zuvor hatte es einen Ortstermin der Verkehrsbesprechung, einem Gremium aus Vertretern der Polizei und des Ordnungsamtes, gegeben. Zusätzliche Verkehrsschilder, die den zum Teil von außerhalb kommenden Autofahrern (das Gartencenter hat einen großen Einzugsbereich) die Vorfahrtslage besser verdeutlichen, hält die Stadt nicht für geboten. Es gebe "keine unklare Gefahrenlage".

Dass Schaumlöffels Bedenken keineswegs abwegig sind, zeigt ein Blick zurück auf die Planungsphase des Gartencenters. Die SPD forderte damals die Einrichtung eines Kreisverkehrs, um die unterschiedlichen Verkehrsbeziehungen sicher und eindeutig zu regeln. Den lehnte der damalige Stadtplaner Hans-Gerd Sonnenschein mit dem Verweis auf mangelnden Platz ab.

Stattdessen drängte man die Firma Kremer, eine kostspielige neue Zufahrt in den Hang hinein zu bauen, weil die Nutzung der bestehenden, die ein Stück weiter in Richtung der Aral-Tankstelle gelegen war, eine versetzte Kreuzungs-Situation ergeben hätte. Die Politik stimmte damals zu - allerdings mit Bauchgrummeln. Bei Problemen sollte das Thema erneut in die Politik kommen.

Quelle: RP
 
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