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Remscheid
Erste heimliche Ausflüge aus dem Beutel

Remscheid: Erste heimliche Ausflüge aus dem Beutel
Mama Kerstin trägt ihr Jungtier seit geschätzten fünf Monaten in ihrem Beutel - länger als bei Bennett-Kängurus üblich. Die Tierpfleger vermuten daher, dass es sich um ein Männchen handelt: "Es ist stinkend faul", heißt es nach ersten Beobachtungen. FOTO: Kempner (2) / Radtke
Remscheid. Einige Jungtiere sind im Solinger Vogel- und Tierpark zu bestaunen. Bei den Bennett-Kängurus lässt sich eines der beiden Babys regelmäßig blicken. Nachwuchs gab es zudem bei den Schnee-Eulen und den Bentheimer Landschafen. Von Guido Radtke

Die Ausflüge aus dem Beutel sind nie lang. Nach ein paar vorsichtigen Hüpfern durch das Gehege direkt im Eingangsbereich des Solinger Vogel- und Tierparks steuert das Känguru-Baby meist gleich wieder den Bauch von Mutter Kerstin an. Kopfüber kehrt es zurück in den Beutel, so dass für einen kurzen Moment nur noch die Hinterläufe herausgucken. Besucher wie Tierpfleger müssen jedoch viel Geduld mitbringen, um diesen besonderen Moment erleben zu können.

Geschätzt rund fünf Monate hat es gedauert, bis das Jungtier seine ersten Gehversuche gewagt hat. "Wir vermuten, dass es sich um ein Männchen handeln muss - weil es stinkend faul ist", sagt Janett Heinrich und lacht. Die Leitende Tierpflegerin begründet das damit, dass Weibchen in der Regel neugieriger und forscher sind. "Spätestens nach vier Monaten ist der Känguru-Nachwuchs eigentlich schon häufig draußen unterwegs, um die Umgebung zu erkunden."

Ein Nachzügler bei den Bentheimer Landschafen: Vor anderthalb Wochen hat die Mutter ihr Sommerlamm zur Welt gebracht. FOTO: Radtke Guido

Immerhin ist das Känguru-Baby im Vergleich zum letzten im Vogelpark geborenen Jungtier schon jetzt deutlich aktiver. "Sydney war damals mindestens ein halbes Jahr im Beutel", berichtet Janett Heinrich. "Das war der Mutter anscheinend zu lang, so dass sie das nicht noch ein weiteres Mal durchmachen wollte." Rund zehn Jahre ist das her. Seitdem hat in Ohligs kein Beuteltier mehr das Licht der Welt erblickt. Das änderte sich erst nach dem Einzug der Bennett-Kängurus aus dem Zoo Hannover. Albino "Lumpi" hat Anfang des Jahres gleich beide Weibchen beglückt, denn neben Kerstin zieht auch Julia in ihrem Beutel ein Jungtier groß. Letztere ist allerdings etwas später dran als ihre Artgenossin. "Mal schauen, wann bei ihr das erste Mal ein Köpfchen hinausschaut", sagt Janett Heinrich.

Auch wenn sich Kerstins Baby nur selten und ganz heimlich auf die Anlage wagt, ist es trotzdem schon sehr aktiv - insbesondere dann, wenn die Mama etwas frisst. Teilweise hängt der Nachwuchs dann schon mit dem gesamten Oberkörper aus dem Beutel, um an die Blätter heranzukommen und diese mit seinen kleinen Krallen packen zu können.

Vom weißen Gefieder einer ausgewachsenen Schnee-Eule ist bei den drei grauen Küken noch nichts zu erkennen. FOTO: Kempner Martin

Nicht nur bei den Kängurus hat es im Vogel- und Tierpark Nachwuchs gegeben. Ein paar Meter weiter bei den Bentheimer Landschafen folgt seit anderthalb Wochen ein Lamm seiner Mutter auf Schritt und Tritt. "Nach dem großen Schwung an Neugeborenen rund um Ostern hatten wir mit keiner weiteren Geburt mehr gerechnet." Janett Heinrich wurde von Schaf Ingrid eines Besseren belehrt, obwohl selbst beim Wollescheren Mitte Juni nicht zu erkennen war, dass es noch einen Nachzügler geben würde.

Für die Besucher gut zu erkennen sind auch die drei Küken im Käfig der Schnee-Eulen. Aufgrund der Wärme verzichten die Jungtiere größtenteils darauf, sich unter den Bauch der Mutter zu kuscheln. Ganz grau wie kleine Steine hocken sie im Gehege und schlafen meist. Wenn sie jedoch gefüttert werden, blitzen die Augen fast schon genauso ausdrucksstark wie bei den Eltern. Das Männchen hat es seit der ersten Geburt am 6. Juli besonders schwer: Die rasant wachsenden Kleinen fressen ihm nämlich im wahrsten Sinn des Wortes die Federn vom Kopf. Das Weibchen ist sichtlich besorgt, putzt ihm den Kopf und richtet seine Frisur, so gut es geht.

Vor einem Jahr hatten die Schnee-Eulen zum letzten Mal Nachwuchs bekommen. Noch vor dem Gesundheitscheck war jedoch ein Fuchs in das Gehege eingedrungen und hatte die beiden Eulen-Babys auf seinen Speiseplan gesetzt. Damit den drei neuen Jungtieren das gleiche Schicksal erspart bleibt, wurden im unteren Bereich des Geheges Steinplatten zur Absicherung eingesetzt und der Zaun verstärkt. "In dieser Woche wird der Tierarzt Tupferproben entnehmen." Danach wissen Janett Heinrich und ihre Tierpfleger-Kollegen, ob die Eulen so gut entwickelt sind, dass sie im Fall einer möglichen Krankheit überleben würden.

Quelle: RP
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