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Remscheid
Experiment begeistert das Publikum

Remscheid: Experiment begeistert das Publikum
Überzeugten im Teo Otto Theater: Felix Frenken (l.) als Driss und Timothy Peach als Philippe. FOTO: Stutte (Archiv)
Remscheid. Sind schon die Verfilmungen von Büchern nur selten sehenswert, ist es wohl noch eine andere Kategorie, einen Film, noch dazu einen Kassenschlager, auf die Theaterbühne zu bringen. Von Wolfgang Weitzdörfer

Dieses Wagnis ist das Hannoveraner Tournee-Theater Thespiskarren mit der Bühnenfassung des französischen Komödien-Hits "Ziemlich beste Freunde", eingegangen.

Und das Experiment ist gelungen: Die anrührende Story der beiden so ungleichen "ziemlich besten Freunde" funktionierte auf der Bühne des Teo Otto Theaters bei der gut besuchten Vorführung am Freitagabend bestens. Großen Anteil daran hatte das brillante Zusammenspiel der beiden Hauptpersonen: Timothy Peach als Philippe und Felix Frenken als Driss. Nur zwei weitere Schauspieler ergänzten das Ensemble, spielten aber nur Nebenrollen: Sara Spennemann als Assistentin Magalie, Prostituierte und Philippes neue Liebe Eleonore sowie Michel Haebler als Antoine (Philippes Bruder), ein Bewerber für die Pflegerstelle und als Aushilfspfleger.

Die Geschichte, so wahr sie auch sein mag, lebt vor allem von der bestimmt etwas überzeichneten Gegensätzlichkeit der Charaktere. Da ist auf der einen Seite der adelige Philippe Pozzo di Borgos, seit einem Paragliding-Unfall vom Hals abwärts gelähmt. Ein feinsinniger Mensch, der zu allem Überfluss noch seine Frau verloren hat und sich in Zynismus und Lebensüberdruss flüchtet. Auf der anderen Seite ist der schnodderige Driss, Algerier mit Halbwelterfahrungen, nur mit Augen für Frauen und das süße Leben. Sie werden zusammengeworfen, von einem Schicksal, das vielleicht ein Experiment versuchen wollte. Und auch wenn sich Driss zunächst gegen die schwierige Arbeit als Pfleger eines ans Bett und den Rollstuhl gefesselten Mannes wehrt, wachsen die beiden mit der Zeit zusammen und werden das, was der deutsche Titel des französischen Films so schön als "Ziemlich beste Freunde" bezeichnet. Driss redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist: "Das ist ja ein Kinderporsche", sagt er etwa, als er zum ersten Mal den E-Rollstuhl seines künftigen Arbeitgebers sieht. Oder: "Keine Arme - keine Schokolade", sagt er, als ihn Philippe um etwas Süßes bittet. Das hilft Philippe, der doch eines auf keinen Fall will: Mitleid.

Felix Frenken lässt Driss auf grandiose Art zum Leben erwecken. Im Trainingsanzug mit Joint und geklautem Fabergé-Ei in der Tasche spielt er den sorglosen Hans-Dampf-in-allen-Gassen sehr eindrücklich. Und Timothy Peach beweist eine enorme Körperbeherrschung, da er ja außer seinem Kopf nichts bewegen darf. Man schwankt als Zuschauer zwischen Tragik und Komik, wenn man etwa Driss erstmals beim Versuch beobachtet, wie er Philippe in den Rollstuhl hievt.

Regisseur Gerhard Hess umgeht das Dilemma der Bühnenbildlimitierung im Gegensatz zum Film elegant: Er erzählt die Geschichte in kurzen, mal längeren Episoden, die jeweils in sich abgeschlossen sind. Das Licht geht dann aus, im Hintergrund ist nur die beleuchtete Vitrine mit den Fabergé-Eiern zu sehen, es ertönt Pausenmusik, während die Schauspieler sich für die nächste Szene vorbereiten.

So entsteht eine Kontinuität ohne große Bühnenbildveränderungen. Und vermutlich gerade weil wohl jeder im Publikum den Verlauf der Geschichte kennt, ist die Stimmung bei diesem Theaterabend bestens. Immer wieder brandet zwischen den Szenen lauter Applaus auf, es wird viel gelacht und auch kommentiert.

Quelle: RP
 
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