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Remscheid
Experte: Flüchtlinge anders ausbilden

Remscheid: Experte: Flüchtlinge anders ausbilden
Rainer Langelüddecke ist Geschäftsführer des Fachverbandes Werkzeugindustrie. FOTO: FWI
Remscheid. Rainer Langelüddecke plädiert für eine neue Teilzeitausbildung - morgens lernen, nachmittags arbeiten. Von Christian Peiseler

Für Rainer Langelüddecke, Geschäftsführer des Fachverbandes Werkzeugindustrie, läuft etwas schief bei der Ausbildung von jungen Flüchtlingen. Nach Einschätzung von Langelüddecke sind gut Zweidrittel der in Deutschland lebenden Flüchtlinge nicht geeignet, um eine traditionelle deutsche Lehre zu meistern. "Viele von ihnen, vor allem aus Schwarzafrika, sind funktionale Analphabeten", sagt Langelüddecke. Die Angebote zur Integration nehmen aber auf diesen Umstand nicht ausreichend Rücksicht. "Um den jungen Menschen aber eine Perspektive geben zu können, muss sich dringend etwas ändern", sagt Langelüddecke.

Er beschreibt die aktuelle Situation wie folgt: "Derzeit sind die Flüchtlinge in der Regel vormittags fünf Stunden im Integrations-Sprachkurs, nachmittags verbringen sie ihre Zeit mit Warten. Warten, nicht zupacken können, bestimmt das Leben dieser jungen Menschen. Statt zu ihrem Lebensunterhalt oder dem der Familie beitragen zu können, sind sie zur Tatenlosigkeit in ihrem Camp gezwungen. Also brauchen wir in Deutschland eine Teilzeitausbildung. Morgens lernen, nachmittags arbeiten oder andersherum."

Langelüddeckes Ansichten beruhen auf eigenen Recherchen zum Thema und den Erfahrungen, die seine Frau als Leiterin von Integrationskursen macht.

Um den Flüchtlingen gerechter zu werden, müssten sich die Berufsschulen neu organisieren. Halbtagsklassen, vormittags, nachmittags oder auch geteilt in Wochenabschnitte müssten eingerichtet werden. Der Spracherwerb sei zwingend zu fördern und zu fordern. "Die jungen Menschen brauchen mindestens ein Jahr Deutschunterricht", sagt Langelüddecke.

Sinnvoll und zielführend sei eine Stufenausbildung. Denn die traditionelle Form der Lehre überfordert die meisten Flüchtlinge. Langelüddecke plädiert für eine Stufenausbildung mit Abschlüssen nach einem, nach zwei und nach drei Jahren. Arbeitgeber hätten bisher die Chance vertan, über dieses Stufenmodell auch Schwächere zu qualifizieren. Stattdessen halte man bis heute daran fest, jedem das gleiche Wissen in der gleichen Zeit beizubringen. Dieses System tauge nicht für Flüchtlinge, die pädagogisch anders angeleitet und effizient zu sinnvollen Ausbildungsstufen herangeführt werden müssen. "Die Handwerkskammern und die Industrie- und Handelskammern müssen die Ausbildung für Flüchtlinge neu regeln", sagt Langelüddecke. Das dürfe kein Tabu mehr sein.

In einem Zeitraum von zehn Jahren könne diese Reform als Parallelsystem für Flüchtlinge und Langzeitarbeitslose eingesetzt werden. Das bewährte Ausbildungssystem werde durch dieses Modell nicht tangiert.

Quelle: RP
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