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Remscheid
Fahrprüflinge stecken in Warteschleife

Remscheid: Fahrprüflinge stecken in Warteschleife
Fahrlehrer Volker Dürholt (l.) kennt die Probleme bei den Terminen zur praktischen Führerscheinprüfung. Er versucht seinen Schülern – wie hier Domenic Jürgens – die Gründe dafür offen zu erklären und ihnen die Vorbereitung auf die Prüfung trotzdem so angenehm wie möglich zu machen. FOTO: Roland Keusch
Remscheid. Mehr Menschen wollen den Führerschein machen. TÜV Rheinland hat Probleme, Termine für die Prüfung zu besetzen. Von Tristan Krämer

Weil sie keinen Termin für ihre praktische Prüfung erhalten, brauchen Fahrschüler in Remscheid derzeit viel Geduld und starke Nerven. Grund sind Probleme beim TÜV Rheinland, die hohe Zahl an Terminen mit Prüfern zu besetzen. "Wir werden derzeit von Prüfwünschen überrollt", bestätigte Arne Böhne, Leiter des Geschäftsfelds Führerschein beim TÜV Rheinland, auf Anfrage der Presse. Um ein bis zwei Wochen verschieben sich die praktischen Prüfungen nach hinten.

Von einem "Prüfermangel" will Böhne aber trotzdem nicht sprechen. Schließlich habe man "nicht weniger und nicht mehr Prüfer als im vergangenen Jahr". Vielmehr sei die Nachfrage nach Prüfungsterminen seit dem 4. Quartal 2016 extrem hoch - deutlich höher als in der Personalplanung des TÜV Rheinland erwartet wurde.

Und zwar nicht nur, weil viele Fahrschüler noch kurz vor den Ferien ihre Prüfung machen wollen. Unter anderem wollten viele der Ende 2015 und Anfang 2016 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge, die bereits eine ausländische Fahrerlaubnis besitzen, diese nun auf einen deutschen Führerschein umschreiben lassen. Dazu ist nicht nur ein Erste-Hilfe-Kurs obligatorisch, sondern auch eine erfolgreich bestandene theoretische sowie praktische Prüfung.

"Das Problem ist nur, dass die Anforderungen im Ausland oft ganz andere sind", sagt Böhne. Folglich rasselten die betreffenden Prüflinge oft durch den Test - und das schnell. "Für die praktische Prüfung ist eine Dreiviertelstunde angesetzt. Wenn sich dann nach wenigen Minuten herausstellt, dass der Fahrschüler durchfällt, ist der Termin aber eben trotzdem weg", erklärt Böhne. Verschärft hat sich die Situation noch mit Einführung von Arabisch als Prüfungsfremdsprache zum 1. Oktober 2016.

"Eine politische Entscheidung", kommentiert Böhne. Die Prüfung in Arabisch werde deutlich mehr nachgefragt als erwartet. Auch von Prüflingen, die schon länger in Deutschland lebten, den Schritt zum Führerschein bislang aber aus Scheu vor der sprachlichen Hürde nicht gewagt hätten.

Für Fahrlehrer Volker Dürholt, dessen Fahrschule Standorte in Remscheid und Radevormwald hat, ist der aktuelle Engpass so ärgerlich wie erklärbar. "Da kann keiner etwas für. Eigentlich sind ja die geburtenschwachen Jahrgänge dran", sagt Dürholt mit Blick auf die langfristige Personalplanung beim TÜV Rheinland. Dennoch habe die Situation die Fahrschulen recht unvorbereitet getroffen.

"An Tagen, an denen wir bislang zehn Prüfungen anmelden konnten, sind es im Moment nur sechs", erklärt Dürholt. Entsprechend staue sich die Terminvergabe. Ihm bleibe nichts anderes übrig, als seinen Schützlingen die Situation so gut es geht zu erklären und zu erleichtern. Etwa, indem die letzten Fahrstunden auf eine Woche verteilt werden, um den zeitlichen Abstand zur Prüfung nicht zu groß werden zu lassen.

Beim für Remscheid zuständigen Fahrlehrerverband Nordrhein sieht man die Probleme mit gemischten Gefühlen. "Wir haben immer gesagt, dass der TÜV Rheinland personell Spitz auf Knopf steht", erklärt Kurt Bartels, Vorsitzender des Verbands. Niemand habe den so hohen Prüfungszahlen gerechnet. Insofern habe der Verband Verständnis für die Probleme des TÜV Rheinlands. Diesbezüglich sieht sich der TÜV auf einem guten Weg. "Wir holen derzeit alles aus dem vorhandenen Personal raus", sagt Böhne. Kurzfristig sei aber keine Lösung in Sicht.

Quelle: RP
 
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