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Remscheid
Fahrräder für Flüchtlinge werden wieder flott gemacht

Remscheid: Fahrräder für Flüchtlinge werden wieder flott gemacht
Erste Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in St. Bonaventura: Ernst Weiden zeigt der zehnjährigen Erika, wie man einen Reifen aufpumpt. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Katholische Pfarrgemeinden wollen eine Werkstatt für Zweiräder einrichten. Noch fehlen Material und Raum. Von Stefanie Bona

Die erste Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge wurde kurzerhand in die Garage von Gemeindepfarrer Jürgen Behr verlegt. Noch ist man auf der Suche nach passenden Räumlichkeiten, sind doch die Platzkapazitäten in der Unterkunft Wülfingstraße begrenzt. Eine Familie haben die Initiatoren der Katholischen Pfarrgemeinde St. Bonaventura und Heilig Kreuz und der Remscheider Pfarrei St. Suitbertus am Samstag schon einmal glücklich gemacht: Die zehnjährigen Zwillinge Erika und Erik sowie den kleinen Bruder Yurik (fünf), ihr Vater und Großvater wurden mit gebrauchten, gut erhaltenen Rädern ausgestattet.

Wie berichtet, hatten die katholischen Gemeinden in Remscheid zu Fahrradspenden aufgerufen, damit die Asylsuchenden vor Ort ein bisschen mobiler werden können und ihnen damit Kosten für Bus und Bahn erspart bleiben. "Ich habe Yurik bisher immer zu Fuß zum Fußball begleitet. Jetzt können wir beide mit dem Rad fahren", sagt Edgar Yedigaryan strahlend. Gemeinsam mit den ambitionierten Radfahrern Ernst Weiden und Ulrich Sternitzke machten Erwachsene und Kinder die Räder wieder flott.

Sternitzke ist Mitglied im Radsportverein Adler in Lüttringhausen. Dort wurde er angesprochen, ob er nicht Lust habe, die Aktion zu unterstützen. "Mir gefällt der Gedanke an die Mobilität der Menschen. Und ich bin erstaunt, wie viele Räder gespendet wurden", sagte er hinsichtlich der mittlerweile mehr als 200 abgegebenen Zweiräder in verschiedenen Größen und ihres weitestgehend guten Zustands. Was indes noch fehle, seien Ersatzteile und auch Werkzeuge. Auch hier hoffen die Pfarreien auf weitere Spenden. Die Familie Yedigaryan stammt aus Armenien und lebt seit einem Jahr in Remscheid. Ob sie bleiben kann, ist noch nicht sicher. Anfang September soll sich Näheres entscheiden. Edgar Yedigaryan und seine Frau besuchen Sprach- und Integrationskurse. Betrachtet man die kurze Zeit, in der sie in der Flüchtlingsunterkunft in der Klauser Delle leben, sprechen sie erstaunlich gut deutsch. "Erika besucht jetzt die Realschule", sagt der Familienvater stolz.

Den Kindern merkt man nicht mehr an, dass sie nicht in Deutschland aufgewachsen sind. Unbefangen und in akzentfreiem Deutsch plaudern sie mit Gemeindepfarrer Jürgen Behr und den anderen Helfern in der Fahrradwerkstatt. Beim Aufpumpen von Erikas neuem Rad hat es ihr Vater ein wenig gut gemeint und zu viel Luft in den Reifen gepumpt. Mit einem lauten Knall verabschiedet sich der Schlauch. Macht aber nichts, wird eben ein neuer aufgezogen. Ausgestattet mit drei gut sitzenden Fahrradhelmen, die ebenso gespendet wurden, wissen die drei Kinder schon, wie sie den Rest des Tages verbringen werden. "Mit Fahrradfahren", sagt Erika glücklich.

Quelle: RP
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