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Remscheid
Faszinierende Strukturen der Stein-Iglus

Remscheid. Renate Löbbecke stellt in der Zentralbibliothek Fotografien von "Kragkuppeln" aus. Von Stefanie Bona

Vor 25 Jahren stieß Renate Löbbecke auf ein Thema, das sie bis heute fasziniert. Bei einer Reise in die Provence entdeckte sie einen Steinbau mit einer sogenannten "Kragkuppel". "Das war eher ein Zufallstreffer und dann habe ich begonnen zu recherchieren", erklärt die Wuppertaler Künstlerin, die unter dem Titel "Stein auf Stein" Fotografien ihrer Entdeckungen bis zum 19. September in der Remscheider Zentralbibliothek zeigt.

Die Technik, derlei einfache Häuser nur durch aufgeschichtete Steine entstehen zu lassen, ist über 5000 Jahre alt. Es müsse aber vor rund 200 Jahren in ganz Europa eine Entwicklung gegeben haben, die die Menschen zu dieser einfachen Bauweise bewegte. Holz wurde unter anderem als Brennmaterial stark nachgefragt und stand als Baustoff nicht zur Verfügung. Renate Löbbecke hat viele dieser ohne Mörtel oder Lehm errichteten Steinhäuser in den entlegensten Ecken etwa in Spanien, Frankreich, aber auch in der Türkei, Syrien, Oman und Ägypten aufgespürt und mit der Kamera im Bild festgehalten.

Bewusst hat sie an der anfänglich genutzten Schwarz-Weiß-Fotografie festgehalten. Dadurch konzentriere man sich auf die Strukturen der Schichtung und die Formen des Baukörpers, die sehr unterschiedlich ausfallen. Mal haben die Baumeister jener Tage tatsächlich Kuppeln geformt, mal ist ein Turm entstanden oder das Dach ähnelt dem einer Pyramide. Auf diese Besonderheiten weist die Künstlerin in kleinen Serien hin, die jeweils in einem Bilderrahmen zusammengefasst sind.

Detailaufnahmen in schillernden Farben zeigen die Verschiedenartigkeit des Materials. "Die Menschen haben das genutzt, was gerade in ihrer Nähe war. Nichts wurde von der Ferne her transportiert. So sind Bauten aus Schiefer, Kalk- und Sandstein oder Lava entstanden", weiß Hermann Löbbecke, der seine Frau auf ihren Reisen begleitete und eigene Fotografien zur Ausstellung beigetragen hat. Allen Bauten gemein seien die Schichttechnik und der Verzicht auf die Verwendung anderen Materials.

Aus Sicht der Künstlerin hat Renate Löbbecke interessiert, wie Menschen eine Aufgabe wahrnehmen, sich ihr stellen und umsetzen. Oftmals lägen die Kragkuppel-Bauten in malerischer Umgebung. In der Einsamkeit finde man heute noch derlei Bauweise, man müsse allerdings gezielt danach suchen. Denn viele der zumeist nur aus einem Raum bestehenden Gebäude seien im Laufe der Zeit abgerissen worden. Aus ihren Reisen in inzwischen 50 verschiedene Regionen in 17 Ländern ist ein Buch entstanden, das in der Zentralbibliothek, Scharffstraße 4-6, während der üblichen Öffnungszeiten ausgeliehen werden kann. Einige Exemplare stehen auch zum Verkauf.

Quelle: RP
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