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Remscheid
Flüchtlinge lernen während der Schulferien

Remscheid. 70 Kinder und Jugendliche besuchen die Sommerschule. Ehrenamtler übernehmen Unterricht. Von Cristina Segovia-Buendía

Gut 70 zugewanderten Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren besuchen die Sommerschule. Das zweiwöchige Pilotprojekt der Stadt, ein kombiniertes Angebot aus Sprachkursus und Sportaktivitäten, erfährt ein großes Interesse. Die engagierten Macher jedoch stellt es vor eine enorme Herausforderung.

Es ist Mittwochvormittag, kurz vor halb eins, kurz vor Unterricht: Zwei der insgesamt fünf ehrenamtlichen Lehrkräfte der Sommerschule nehmen die neuen Lernmaterialen auf dem Schulhof der Grundschule Am Stadtpark in Empfang. Seit ein paar Tagen unterrichten sie dort Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Nationen, bringen ihnen die deutsche Sprache nah. Die meisten der Kinder besuchen hier bereits die Schule in Seiteneinsteigerklassen. So unterschiedlich wie ihre Herkunft, ist aber auch ihr Kenntnisstand der Sprache. Und das, gepaart mit der bis zu diesem Zeitpunkt noch fehlenden Lernmaterialien, stellt die Lehrkräfte vor einer enormen Herausforderung. "Das werden wir ändern müssen", sagt Lutz Pawlas vom Jugendamt nachdenklich, nach den Erkenntnissen der ersten Tage. "Mit dem unterschiedlichen Wissensstand innerhalb der Gruppe funktioniert das nicht." Unter den älteren Kindern sind sogar fünf dabei, die offensichtlich noch nicht Lesen und Schreiben können. "Woran das liegt, wissen wir nicht", sagt Pawlas. Es könnte nämlich durchaus auch sein, dass die Jugendlichen keine Analphabeten sind, sondern lediglich unseren lateinischen Schriftzeichen nicht kennen, gibt Pawlas zu bedenken. Eine fünfte Gruppe kommt kurzfristig zustande. Pawlas konnte eine ehrenamtliche Helferin aus der Flüchtlingsunterkunft Hölterfeld für das Projekt gewinnen. Improvisation ist gefragt. Währenddessen sitzen die jüngsten Teilnehmer der Sommerschule, die Zehn- bis Zwölfjährigen, bereits in ihren Klassenzimmern.

Roswitha Sixtus, pensionierte Lehrerin, schult eine der zwei 16-köpfigen Klassen. Auch in diesem Fall wird die enorme Kenntnisdifferenz offensichtlich: Während sich die einen bei den Aufgaben zur Pluralbildung von Gegenständen im Klassenraum langweilen, müssen sich andere sehr anstrengen, um überhaupt zu verstehen, worum es bei der Aufgabe gerade geht. Sixtus gibt ihr Bestes, die Schüler üben sich in Geduld und unterstützen sich mit Erklärungen in ihrer Muttersprache gegenseitig.

Doch sobald Sixtus sich zu lange mit einem Kind aufhält, entsteht Unruhe. "Es ist wirklich schwierig, mit so einer großen Gruppe und dem unterschiedlichen Wissensstand, aber mit ein bisschen Kreativität kriegen wir das hin", sagt sie zuversichtlich. Sie setzt auf spielerische Spracherziehung statt Grammatikpaukerei wie bei den Großen. Hauptsache, die Kinder machen bei den Übungen mit. "Und das muss man ihnen lassen", sagt Sixtus, "sie sind motiviert und lernbegierig."

Quelle: RP
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