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Remscheid
Flüchtlinge vor der Kirchentür

Remscheid: Flüchtlinge vor der Kirchentür
Kirchen öffnen mitunter ihre Tür, wenn Schutzsuchende Einlass begehren. Mit zunehmenden Abschiebungen steigt die Zahl derer, die Kirchenasyl verlangen. FOTO: Moll, Jürgen (jumo)
Remscheid. Mit Abschiebungen steigt die Nachfrage nach Kirchenasyl. Kirchenkreis entscheidet über mindestens drei neue Fälle. Von Lisa Kreuzmann

Mit Abdis Fall möchte sich niemand beschäftigen. Die zuständigen Behörden befürchten, sein Verfahren könnte zu einem Präzedenzfall werden und fühlen sich lieber nicht zuständig. Vor anderthalb Jahren hat der Evangelische Kirchenkreis Lennep dem nun 20-jährigen Somalier Abdi Kirchenasyl angeboten. Fälle, in denen das Kirchenasyl einen grauen Ausweg vor der drohenden Abschiebung oder Illegalität weisen kann, nehmen zu. Aus Kirchenkreisen wurde bekannt, dass es neben Abdi noch einen weiteren Kirchenasylanten in Remscheid geben soll. Dies wollte Superintendent Hartmut Demski jedoch nicht bestätigen und auch Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke sagt gegenüber der BM, sie wisse lediglich von einem Kirchenasylanten.

Es müsse in jedem einzelnen Fall ganz genau begründet werden, ob Kirchenasyl helfen könnte, sagt Superintendent Hartmut Demski. "Persönlich habe ich natürlich mit vielen Menschen Mitleid", sagt der Pfarrer. Doch er weiß: Kirchenasyl muss eine Nische bleiben. Dabei würden natürlich viele Betroffene diese Möglichkeit als eine weitere, vielleicht eine letzte Auswegsmöglichkeit suchen, wenn alle anderen Wege bereits versperrt seien. "Wir haben das nicht leichtfertig gemacht", sagt auch Pfarrer Siegfried Landau. Doch die Flüchtlingszahlen steigen und mit ihnen auch die Zahl der Abschiebungen. "Viele Leute haben mich angerufen und um Rat gefragt", erzählt Pfarrer Siegfried Landau. Superintendent Demski ergänzt, dass sich viele Kirchenmitglieder in der Flüchtlingsarbeit engagieren würden und das natürlich persönlich betroffen mache. Das Kirchenasyl kommt so als möglicher Ausweg hinzu. Konkret bestätigt die Kirchenleitung drei weitere Fälle, bei denen ein Kirchenasyl in Erwägung gezogen würde. Nach inoffiziellen Hinweisen sollen es deutlich mehr sein. Das Kirchenasyl würde den nötigen Raum schaffen, sich die Verfahren der betroffenen Flüchtlinge und Asylbewerber noch einmal anzuschauen. Auch weitere Remscheider Gemeinden seien bereit, einen Kirchenasylanten aufzunehmen, weiß Pfarrer Landau.

Doch Abdi hilft das nicht. Zwar lebt er nun in der Nähe seiner Schwester, deren Asylantrag bereits bewilligt wurde. Doch einen Asylantrag hatte Abdi bisher gar nicht erst stellen können. Als minderjähriger Bootsflüchtling war er zunächst in Lampedusa angekommen. Italien versagte ihm den Schutz, der ihm zustand. In Deutschland angekommen, sollte Abdi wieder nach Italien abgeschoben werden. Eine Entscheidung, die so ebenfalls nicht rechtsgültig war, wie Pfarrer Siegfried Landau betont.

Barbara Reul-Nocke sagt, die Stadt würde Abdi gerne in Remscheid offiziell anerkennen, bis sein Asylverfahren entschieden ist. Doch in der Bezirksregierung Arnsberg stelle man sich stur, sagt Demski. Abdis Fall wird nun weiter liegen bleiben.

Quelle: RP
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