| 00.00 Uhr

Remscheid
Flüchtlingsheime stehen leer

Remscheid: Flüchtlingsheime stehen leer
In der Notunterkunft wird derzeit nicht mehr gekocht. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Die renovierte Gewerbeimmobilie an der Oberhölterfelder Straße gehört zu den drei Notunterkünften, die derzeit nicht gebraucht werden. OB dankte Flüchtlingshelfern für den Einsatz. Von Stefanie Bona

John gehörte zu den ersten Flüchtlingen, die im Juli des letzten Jahres im zur Erstaufnahmeeinrichtung umfunktionierten Pestalozzi-Schulgebäude untergebracht wurden. Der junge Iraker ist in Remscheid geblieben, wartet auf das Ergebnis seines Asylverfahrens und dankte jetzt den vielen Helfern in der Flüchtlingsarbeit auf seine Weise. Beim Dankeschön-Abend, den die Stadt im neuen Lindenhof für die Ehrenamtler veranstaltete, unterhielt er die Gäste mit der Saz - einem vom Balkan bis Afghanistan verbreiteten Zupfinstrument.

Zurückhaltend lächelnd nahm er den Applaus entgegen. Bei so viel Willkommenskultur ist anzunehmen, dass die Remscheider John weiterhin in ihrer Mitte aufnehmen. Darum bat Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz die Bürger ausdrücklich.

Nachdem alle drei Notunterkünfte geschlossen sind, weil der Flüchtlingsstrom in diesen Tagen nahezu versiegt ist, gelte es jetzt, alle Anstrengungen in die Integration zu stecken. "Menschen bleiben bei uns, manche vielleicht auf Dauer. Jetzt müssen wir zeigen, dass wir sie als Remscheider und Remscheiderinnen begrüßen", sagte der OB. Hilfe werde weiterhin nötig sein - etwa bei der Begleitung zu Behörden oder in der Hausaufgabenhilfe.

Zuvor hatte Mast-Weisz daran erinnert, wie am 20. Juli 2015 sozusagen in einer Nacht- und Nebelaktion aus einer leer stehenden Schule eine Unterkunft für 150 Frauen, Männer und Kinder eingerichtet werden musste. Er dankte den Mitarbeitern der Verwaltung, den Mitgliedern der Feuerwehr, dem Betreuungsverein BAF, den Johannitern und eben besonders der engagierten Bürgerschaft für aktiven Einsatz und große Spendenbereitschaft. "Ohne Sie hätten wir das alles nicht geschafft", nahm er Bezug auf die nachfolgend ebenso in kurzer Zeit eingerichteten Heime am Kremenholl und Hölterfeld. "Die Stadtgemeinde ist Ihnen zu großem Dank verpflichtet. Was Remscheid an Stärke gezeigt hat, sollten wir uns bewahren."

Wie sich die Zahl der Asylbewerber in naher Zukunft entwickeln werde, könne man genau nicht vorhersagen, sagte Rechtsdezernentin Barbara Reul-Nocke auf Nachfrage der BM. In das von der Stadt angemietete und zuvor durch einen Investor zur Flüchtlingsunterkunft umgestaltete Fabrikgebäude an der Oberhölterfelder Straße ist noch niemand eingezogen. Das aufwendig renovierte und komplett neu ausgestattete Gebäude bietet 120 Menschen Platz. Es entspricht modernsten Brandschutzbestimmungen und bietet zusätzlich Räume für Sozialberatung, Sprach- und Integrationsförderung. Die Stadt hat das Gebäude von einem Investor für zehn Jahre angemietet.

Momentan gebe es kaum Zuweisungen, das werde sich aber wieder ändern, glaubt die Dezernentin. Die geschlossene Balkanroute werde die Menschen aus den Kriegsgebieten nicht von der Flucht abhalten. "Die Leute werden sich andere Wege suchen." Das Heim wolle man dann in Betrieb nehmen, wenn eine ausreichend große Zahl an Asylbewerbern untergebracht werden müsse. Für einige wenige mache es keinen Sinn, den ganzen Betrieb mit einer Betreuung in drei Schichten hoch zu fahren. "Im Moment schauen wir genau hin, wo wir bei der Unterbringung in Wohnungen noch etwas verbessern können", erklärte sie.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Remscheid: Flüchtlingsheime stehen leer


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.