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Remscheid
Fotos über den Wandel in Honsberg

Remscheid: Fotos über den Wandel in Honsberg
Hans Georg Müller zeigt seine Fotoarbeiten über den Honsberg im Ämterhaus. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Für Hans Georg Müller galt der Stadtviertel hinter den Gleisen lange "nur" als ein Arbeiterviertel. Die Aktionen der ansässigen Künstler haben seinen Blick geändert. Mit seinem Fotoapparat hat er die Veränderungen dokumentiert. Von Stefanie Bona

Für den Remscheider Hans Georg Müller war der Honsberg über Jahrzehnte ein eher unbekannter Stadtteil. In Kindheitstagen sei der Bezirk den Ruf der Arbeitersiedlung nie los geworden, bis heute kämpft der Standort gegen Vorurteile an. Dass hier nunmehr ein Wandel eingeläutet ist, hat Müller durch das Street-Art-Festival erfahren, das Anfang Juli durch eine aktive Kunstszene aufgelegt wurde.

Sein Angebot, eine Fotodokumentation zu erstellen, wurde von den Initiatoren des Vereins "Ins Blaue" gerne angenommen. "Dass ich dort Akzeptanz gefunden habe, war wichtig. Denn ich selbst komme ja gar nicht aus der Kunstszene", sagte Müller, der seit gestern die "Gesichter eines Stadtteils" in einer Fotoausstellung im Remscheider Ämterhaus zeigt.

Er setzte sich zum Ziel, den Charme der vielfach aus den 1920er Jahren stammenden Bebauung in Verbindung mit den Arbeiten der Aktionskünstler zu zeigen. Der Besuch in den Häusern, die eigentlich bereits abgerissen werden sollten und denen die Kunstschaffenden auf vielfältigste Art neues Leben eingehaucht haben, sei faszinierend gewesen. Müller hat den Verfall der Bausubstanz mit abblätternden Fassaden und verwitterten Fensterrahmen genauso mit der Kamera festgehalten wie die neu entstandenen poppig-bunten Graffiti, Skulpturen oder den gestrickten Tipi auf der Wiese.

Andere Bilder geben Eindrücke von Installationen oder Theaterszenen, denen ein ganzes Haus eine Bühne gab. Dabei widmete sich der Fotograf nicht nur den Ergebnissen, sondern auch den Entstehungsprozessen, wenn etwa Künstler auf Leitern und Gerüsten stehen, um einstmals tristen Außenwänden verschiedener Gebäude im wahren Wortsinn einen neuen Anstrich zu verpassen. Auch die grüne Seite des Honsberg und gleichzeitig das multi-kulturelle Zusammenleben zeigt Müller, zum Beispiel wenn zwei muslimische Frauen auf einer Bank sitzen und den Blick bis hin zum Waterbölles und zu den Kirchtürmen von St. Josef und der Versöhnungskirche schweifen lassen.

Von der Offenheit, die ihm die Anwohner "aller Nationalitäten" als Fotograf entgegenbrachten, ist er bis heute begeistert. Also hat sich sein Bild vom Stadtteil durch die fotografischen Begegnungen mit der neuen Kunstszene gewandelt? "Absolut", sagt Müller. Das lange gehegte Vorurteil mancher Altvorderer, das man "hinter den Gleisen" nicht wohne, gehöre der Vergangenheit an. Gerade die Gespräche mit vielen auswärtigen Künstlern, die sich am Festival beteiligten, hätten ihm verdeutlicht, wie sehr sich der Honsberg ihnen als ein charmanter, ruhiger Stadtteil im Grünen präsentiert habe.

Die Ausstellung ist bis zum 15. August im Ämterhaus zu sehen. Bei einer Fotosafari soll am 20. August eine Fotoetage in der Halskestraße 30 besichtigt werden. Treffpunkt ist der Bergische Löwe am Lindenhof, Honsberger Straße 38. Anmeldung unter Telefon 02191342389 oder per Mail an "mailto:hgm46@weg.de"

Quelle: RP
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