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Remscheid
Fotos vom Rande der Gesellschaft

Remscheid: Fotos vom Rande der Gesellschaft
"Velvet" nennt Tobias Zielony diese Fotografie aus dem Zyklus "Mashirovka". FOTO: Zielony
Remscheid. Der in Wuppertal geborene Fotograf Tobias Zielony zeigt seine Arbeiten in der Kunsthalle Barmen. Von Christian Peiseler

"Ich würde die Menschen, die ich fotografiere, nie als Verlierer bezeichnen. Aber das Perfide am Kapitalismus ist ja gerade, dass er den Armen auch noch die Schuld für ihre eigene Situation zuschreibt. Das ganze System beruht darauf, dass Leute gewinnen und verlieren, zumindest was Geld und Ansehen angeht. Das finde ich ungerecht, und die Einordnung in Verlierer und Gewinner ist zu kurz gedacht", sagt der in Wuppertal geborene Fotograf Tobias Zielony. In der Kunsthalle Barmen sind seine Fotografien ausgestellt, Bilder vom Rande der Gesellschaft, von Jugendlichen, voller Stolz und Verletzlichkeit, in einer Umgebung, die kein Morgen zu kennen scheint. Zielony klagt nicht an. Seine Kamera wählt nicht den sozialkritischen Blick. Vielmehr spürt man seine Neugierde für das Fremde und scheinbar Verlorene und seine Solidarität mit den Menschen, die in kein bürgerliches Leben passen.

In vorigen Jahr durfte Zielony den deutschen Pavillon der 56. Biennale in Venedig bespielen wie vor ihm Gerhard Richter und Christoph Schlingensief. Dafür hatte er mit Flüchtlingen zusammengearbeitet. Ersten Ruhm erlangte der Fotograf aus dem Bergischen allerdings mit Bildern vom Warten. Er fotografierte chancenlose Jugendliche am Stadtrand von Neapel, Bristol, Marseille und Halle-Neustadt, den Straßenstrich und Tankstellen. Seit 20 Jahren dokumentiert er Orte des Abstiegs. So auch in seinem Zyklus "Maskirovka", der in Wuppertal zu sehen ist. Zielonys neue Reihe "Maskirovka" zeigt Menschen aus Kiew, die der Techno-Szene angehören. Die Aufnahmen wirken spontan, wie zufällig, teilweise unscharf- typisch für Street Photography. Ähnlichkeiten mit Arbeiten des Remscheider Fotografen Wolfgang Tillmans bestehen.

Auch dieses Foto mit dem Titel "Make up" von Tobias Zielony ist in der Kunsthalle Barmen zu sehen. FOTO: Zielony

Ein streunender Hund steht mitten im Bild auf vermoosten Betonplatten, die in ein wildes Gelände münden. Das Tier beobachtet ein Liebespaar. Der junge Mann und die junge Frau, in dicke Jacken gehüllt, halten sich die Hände und blicken sich in die Augen. Das Tier bemerken sie nicht. Menschen erscheinen in dieser Wildnis als Fremde. Zielony verleiht seinen Fotos poetischen Glanz. Ganz hinten im Bild fängt er einen goldenen Flecken Licht ein. Die hellen Flecken tauchen immer wieder in seinen Bildern auf. Sie heben sie aus dem Status des Dokumentarischen heraus und öffnen sie für Erzählungen, die hinter diesen Aufnahmen liegen.

Zielony studiert die Gesichtsausdrücke, Körperhaltungen und Gesten der Jugendlichen. Das ruft Fragen hervor: Was sagen ihre Kleidung, Frisuren, Tätowierungen über die Zeit und das Land aus, in denen sie leben? Die Antwort muss sich der Besucher selber geben.

Bis 14. Januar in der Kunsthalle Barmen.

Quelle: RP
 
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