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Wuppertal
Abschied von der Schwarzbachtrasse

Wuppertal: Abschied von der Schwarzbachtrasse
Bei strahlendem Sonnenschein radelte es sich umso beschwingter über die Schwarzbachtrasse. FOTO: Andreas Fischer
Wuppertal. Fast 500 Menschen traten bei der letzten Fahrt über die Schienen zwischen Grundstraße und Bergischem Plateau in die Draisinen-Pedale. Wenn alles glatt geht, sollen noch in diesem Jahr die ersten Radler über die Trasse fahren können. Von Daniel Neukirchen

Die Schwarzbachtrasse als Zugstrecke ist jetzt von fast 500 Menschen verabschiedet worden. Die Wuppertalbewegung hatte zu kostenlosen Draisinenfahrten auf der rund 1,7 Kilometer langen Strecke zwischen Grundstraße und Bergischem Plateau eingeladen. Die Resonanz bei frühlingshaften Temperaturen war überwältigend. Schon eine Stunde vor dem offiziellen Start pilgerten die ersten Trassen-Fans an den Startpunkt in Langerfeld, um einen Tag vor der Entfernung der Schienen Wuppertaler Geschichte live mitzuerleben.

Matthias Kreysing, bei der Wuppertalbewegung zuständig für das 3,6 Millionen schwere Schwarzbachtrassenprojekt, ist angesichts der Besucherströme aus Wuppertal, aber auch aus den Nachbarstädten, bester Laune. Immer wieder wird er auch zu den Details der Planung angesprochen. "Das Interesse ist gerade bei den Anwohnern sehr groß. Wir binden schließlich jetzt rund 50 000 Menschen direkt an die Nordbahntrasse an", sagt er. In sportlichen fünf bis gemütlichen zwölf Minuten radelt es sich demnächst vom Sportplatz an der Grundstraße bis zum Bergischen Plateau, wo der Anschluss an die Nordbahntrasse besteht. "Und das ohne die B 7, ampelfrei und mit schöner Aussicht", sagt Kreysing.

Thomas Kuske (63) hat die Füße auf den Pedalen. Auf den Pfiff des Schaffners gilt es, die 80 Kilo schwere Draisine plus die sechs Fahrgäste mit Muskelkraft in Bewegung zu setzen. Zum Glück helfen zwei weitere Mitstreiter bei dieser Mission. Trotzdem sagt Kuske: "Das ist nicht so leicht. Gerade die vier Prozent Steigung merkt man schon." Immer wieder hupt Martin Belz von der Wuppertalbewegung, der mit Kuske vorneweg radelt, Menschen von der Trasse, die den letzten Schienentag für einen Spaziergang nutzen.

Sobald sich die Draisine ratternd und klappernd ankündigt, stehen Anwohner der umliegenden Häuser auf Balkonen und an Fenstern. Eine Gruppe Kinder rennt hektisch an einen Zaun und winkt dem Draisinen-Express, der an dieser Stelle ein einmaliges Phänomen sein wird.

Nach den ersten schweißtreibenden Minuten bietet der Wichlinghauser Tunnel eine willkommene Abkühlung - inklusive Wassertropfen von der Decke. Da es im Berg noch stockdunkel ist, leuchtet Belz den Weg. Trotzdem hat dieser Abschnitt etwas von Autofahren mit Augenbinde. Auch wenn die Draisinen lediglich mit rund sieben Stundenkilometern durch den Tunnel rollen, möchte niemand beim Vordermann auffahren.

Nach einem vermüllten Abschnitt hinter dem Tunnel, den die Wuppertalbewegung in den kommenden Wochen noch in Zusammenarbeit mit dem angrenzenden Kleingartenverein auf Vordermann bringen möchte, folgt nach etwa zehn Minuten Fahrtzeit der Höhepunkt der Strecke: das Schwarzbachviadukt. Von hier aus überwältigt an einem klaren Tag die Aussicht über Oberbarmen und bis auf die Südhöhen. "Das sind wunderschöne Ausblicke", sagt Kuske.

Nach einer kurzen Verschnaufpause werden die Draisinen mit Muskelkraft gewendet, damit es auf der Einbahnstrecke auf selbem Weg wieder zurück nach Langerfeld gehen kann.

Nach rund drei Wochen sollen die Schienen der Trasse verschwunden sein. Danach folgen Bodenproben, Aufräumarbeiten, weiterer Baumschnitt und die Abdichtung des Viadukts. "Erst ganz am Schluss kommt der Radweg", sagt Bauleiter Micheal Kraft. Wenn alles glatt läuft, sollen die ersten Radler bereits Ende des Jahres über die Trasse fahren können. Die offizielle Eröffnung ist für 2019 geplant.

Quelle: RP
 
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