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Wuppertal
Abwasser wird als Energiequelle genutzt

Wuppertal: Abwasser wird als Energiequelle genutzt
Abwasser muss nicht nur eine Aufgabe für Kläranlagen sein. Zusammen mit den Abfallstoffen ist da nämlich auch Energie unterwegs - Wärmeenergie aus Duschen, Badewannen, Spül- und Waschmaschinen. FOTO: imago (Symbol)
Wuppertal. Die Stadt will eine Technik einsetzen, die Wärme aus Abwasser gewinnt. Damit könnten das Schauspielhaus in Elberfeld und das Historische Zentrum in Barmen energiesparend und umweltfreundlich geheizt werden. Von Andreas Boller

Warmes Wasser fällt in jedem Haushalt in großen Mengen als Abwasser an. Das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW) hat es als umweltschonende Energiequelle entdeckt und will sie zur Heizung und Kühlung von zwei ganz besonderen Gebäuden einsetzen. Konkret sind die Pläne für den "Ankerpunkt China NRW", der ab 2020 Engelshaus und Museum für Frühindustriealisierung baulich verbindet. Auch im Pina-Bausch-Zentrum soll die Technik angewendet werden. Hinter diesem Projekt steht wegen der nicht gesicherten Finanzierung der Betriebskosten allerdings ein Fragezeichen.

Annette Sengespeick, Teamleiterin Versorgungstechnik beim GMW: "Beide Standorte erfüllen eine wichtige Voraussetzung, da in ihrer Nähe ein Hauptsammler verläuft." Dort schwimmt, was die Wuppertaler abfließen lassen. "Abwasser sind im Winter durchschnittlich zehn bis zwölf Grad warm, im Sommer liegen die Temperaturen zwischen 17 und 20 Grad. Es ist also genügend Wärme vorhanden, die dem Wasser entzogen werden kann.

Für das Schauspielhaus würde die Südstadt die nötige Energie liefern. In Höhe des Sopp'schen Pavillons müsste auf einer Länge von 70 Metern eine Art Manschette um den Kanal gelegt werden. Um den Wärmetauscher einzubauen, könnte ein Tunnel unter der B 7 genutzt werden. "Dazu muss die B 7 nicht aufgerissen werden", sagt GMW-Chef Uwe Flunkert. Zunächst aber soll der Wärmetauscher im Historischen Zentrum zum Einsatz kommen. Hierzu würde eine 40 Meter lange Ummantelung des Kanals, der von Barmer Haushalten gespeist wird, erforderlich sein. "Diese Technik ist neu und wird bisher fast nur von Industrieunternehmen eingesetzt", erklärt Sengespeick. "Schon bei Wassertemperaturen von fünf Grad ist ein Wärmetauscher effektiv", sagt Flunkert. Er ist überzeugt, dass aus dem Abwasser mit jeweils einem Anteil Strom, der vor allem für die Pumpen benötigt wird, drei Teile Energie erzeugt werden können. "Wir möchten Vorbild sein", so Flunkert, der überzeugt ist, dass dieses System preisgünstiger ist als eine klassische Heizung.

Bei der Diskussion um die Betriebskosten für das Pina-Bausch-Zentrum könnte das Heizungs- und Kühlungssystem ein wichtiges Argument sein. Bund, Land und Stadt müssen insgesamt mehr als zehn Millionen Euro pro Jahr an Betriebskosten stemmen.

Im November 2020 soll das Engels-Zentrum zum Geburtstag des Philosophen eröffnet werden. Vor nationalen und internationalen Gästen könnte sich Wuppertal damit schmücken, wie einst bei der industriellen Revolution nun auch bei der Energiewende die Nase vorne zu haben. Das Wuppertal-Institut will im Engelsjahr 2020 die Erinnerung an Engels mit aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen im Zeitalter der Globalisierung und Digitalisierung in Verbindung bringen. "Dass das neue Engels-Zentrum damit auch ein Ort für innovative Energiestrategien werden soll, ist ein schönes Signal", sagt Uwe Schneidewind, Leiter des Wuppertal Instituts.

Quelle: RP
 
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