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Wuppertal
An Primark scheiden sich die Geister

Wuppertal. Ratspolitiker bleiben der heutigen Grundsteinlegung für das Gebäude des Textildiscounters am Döppersberg fern. Dagegen kommt von der Gewerkschaft Verdi und vom Rheinischen Einzelhandelsverband auch Lob für die Ansiedlung. Von Lothar Leuschen

Die Ansiedlung des irischen Textilsupermarktes Primark in Wuppertal bleibt ein Zankapfel. Heute legt der Investor des Gebäudes, Signature Capital, den Grundstein für das wuchtige Haus auf dem Döppersberg. Der sogenannte Kubus ist zwar schon weit gediehen, aber für eine Feier ist es ja nie zu spät. Sie wird allerdings ohne die Fraktion der Linken im Stadtrat stattfinden.

Sie zeigt Signature Capital die kalte Schulter, weil der Kubus für Primark gebaut wird. In einem offenen Brief prangert die Fraktion nicht nur Form und Größe des Bauwerkes an. Sie kritisiert auch die Arbeitsbedingungen, unter denen Primark seine Waren nach Ansicht der Linken herstellen lässt. Von schlechtesten Lohn- und Arbeitsbedingungen ist die Rede, von Gewerkschaftsrechten, die mit Füßen getreten werden, von Umweltverschmutzung und von "prekären Arbeitsverhältnissen", die in Wuppertal entstünden.

All das sieht der Generaldirektor für Primark in Deutschland und Österreich, Wolfgang Krogmann (60), anders. Im Gespräch mit dieser Zeitung verweist er auf einen Verhaltenskodex, dem sich Fabriken unterordnen müssen, die für Primark arbeiten wollen. Und auch von prekären Arbeitsverhältnissen in Wuppertal kann demnach keine Rede sein. Primark entlohne seine Beschäftigten nach dem Tarifvertrag des Einzelhandels.

Etwas differenzierter als die Linken im Stadtrat sieht denn auch Verdi-Geschäftsführer Daniel Kolle die Ansiedlung des Mode-Discounters in Wuppertal. "Primark hat in Deutschland eine Charme-Offensive gestartet. Das Unternehmen ist Mitglied des Einzelhandelsverbandes und bezahlt nach Tarif, teilweise sogar ein bisschen mehr", so Kolle.

Und auch beim Thema Mitarbeiterzufriedenheit gebe sich Primark inzwischen viel Mühe. "Doch der positiven Entwicklung in Deutschland stehen die Umstände entgegen, unter denen die Ware hergestellt wird", kritisiert Kolle.

In Deutschland sei der erste Schritt getan worden, nun müssten weitere folgen. "In den sogenannten Hotspots der Textilproduktion hat sich an den Bedingungen nichts geändert." Da klafften große Lücken zwischen dem Verhalten in Deutschland und dem Verhalten dort. "Wenn man sich aber in Deutschland bemüht, wäre es doch ein Leichtes, dass auch in den Produktionsstätten zu tun", sagt Kolle.

Laut Krogmann hat sich seit der Katastrophe im Rana Plaza in Bangladesh mit mehr als 1000 Toten vieles verbessert, auch dank Primark und des Regelwerkes, das der Konzern für Fabriken aufgestellt hat.

Für den Einzelhandelsverband ist die Ansiedlung von Primark eine Bereicherung des Angebotes in Wuppertal. "Das Unternehmen hat ein besonderes Geschäftsmodell, das eine bestimmte Käuferschaft anspricht", sagt Geschäftsführer Ralf Engel vom Rheinischen Einzelhandelsverband. "Ich finde es gut, wenn sich so ein Anbieter in Wuppertal engagiert." Was die Produktionsweisen von Textilien angehe, müsse sich jeder Konsument grundsätzlich Fragen stellen. Das gelte nicht nur für Textilien, die besonders günstig angeboten würden.

Quelle: RP
 
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