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Wuppertal
Das rollende Museum im Kaltenbachtal

Wuppertal. Bei der Fahrt mit historischen Straßenbahnen geht Nostalgikern das Herz auf. Die Bergischen Museumsbahnen bieten Technik und Natur. Von Andreas Boller

Wer in Wuppertal mit der Straßenbahn unterwegs sein will, der muss sich schon ins Museum begeben. Der Verein Bergische Museumsbahnen (BMB) in Wuppertal-Kohlfurth ist deutschlandweit der einzige, der auf einer eigenen Strecke einen öffentlichen Fahrbetrieb organisiert. In diesem Jahr sind die historischen Straßenbahnen noch am 14. und 28. August, am 11. und 25. September sowie am 9. und 23. Oktober im Einsatz. An Fahrtagen werden bis zu 500 Passagiere befördert.

1987 wurde der Betrieb der letzten Straßenbahn in Wuppertal eingestellt. Von einem großen Netz, das von verschiedenen Betreibern bedient wurde, blieb nach Jahrzehnten der Stilllegungen nur ein 3,2 Kilometer langes Teilstück übrig - die sogenannte Überlandlinie 5, die die Kohlfurth am Ufer der Wupper mit dem 150 Meter höher gelegenen Stadtteil Cronenberg verbindet.

1992, nur fünf Jahre später, nahm der 1969 gegründete Verein Bergische Museumsbahnen den Fahrbetrieb durch das malerische Kaltenbachtal wieder auf. 22 Jahre lang hatten sich die Museumsbahner auf diesen Tag vorbereitet, ausrangierte Straßenbahnen entrostet und diese möglichst in ihren Originalzustand versetzt. Sie hatten außerdem die Strecke unter strengen sicherheitstechnischen Auflagen wieder fahrtüchtig gemacht.

Eine gewaltige Leistung, die zu Beginn der Arbeiten von vielen belächelt wurde. Doch die Museumsbahner hielten durch. Zunächst bauten sie eine Wagenhalle, um die ausrangierten Bahnen vor Regen und Rost zu schützen. Viele tausend Arbeitsstunden steckten sie in ihr Hobby, schrauben bis heute weiterhin an jedem zweiten Samstag an den Bahnen. Den rund 50 aktiven Vereinsmitgliedern wird die Arbeit in den kommenden Jahrzehnten nicht ausgehen, denn auf den Gleisen stehen einige Exemplare, die noch tüchtig auf Vordermann gebracht werden müssen. "Hier gibt es immer etwas zu tun", sagt BMB-Vorsitzender Michael Schumann und weist auf den Fuhrpark hin. In der Halle stehen eine Reihe Straßenbahnen, von denen einige gerade auf Hochglanz für den kommenden Fahrtag poliert werden. Andere Exemplare sind noch nicht soweit - da werden noch etliche Arbeitsstunden erforderlich sein, bevor sie auf die Strecke gehen dürfen.

Fast alle Bahnen, die den Fahrgästen nostalgische Seufzer entlocken, trafen in der Werkstatt an der Kohlfurth als unansehnliche Rostlauben ein. Die Museumsbesucher dürfen den Bastlern an Fahrtagen über die Schultern schauen. Straßenbahn ist nicht gleich Straßenbahn - das lernen die vielen jungen und älteren Besucher beim Rundgang.

Neben den Triebwagen 105, 107 und vielen anderen sind auch Arbeits-Triebwagen zu sehen, die mehr als nur nostalgische Zwecke erfüllen. Der Verein war in den vergangenen Monaten gleich zweimal Opfer von Kupferdieben. Der Fahrbetrieb war gefährdet, die erste Fahrt des Jahres musste verschoben werden. Doch dank vieler Spenden konnte der Schaden in fünfstelliger Höhe behoben werden. "Durch die Hilfe und die vielen Spenden haben wir erst gemerkt, welches Ansehen wir in der Bevölkerung genießen", sagt Michael Schumann.

Gerade in Wuppertal, wo Busse die Straßenbahn auf vielen Linien ersetzt haben, erinnern die Bergischen Museumsbahnen daran, dass die Tram ein umweltfreundliches Verkehrsmittel gewesen ist. Und deshalb dürfen die Bahnen durch das Kaltenbachtal fahren, wo am Manuelskotten oder am Friedrichshammer der Eisvogel heimisch ist. 14 Minuten dauert die einfache Fahrt zur Endstation Greuel. Etwa alle 30 Minuten werden die Haltestellen angefahren. Der Ausstieg am Friedrichshammer lohnt besonders. Von dort aus kann auf dem Industriehistorischen Lehrpfad ein wichtiges Kapitel bergischer Wirtschaftsgeschichte erkundet werden. Die Kotten und Hämmer gelten als Keimzelle der Schleif- und Messerindustrie.

Quelle: RP
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