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Wuppertal
"Das Seilbahn-Projekt wird scheitern"

Wuppertal: "Das Seilbahn-Projekt wird scheitern"
Eine Seilbahn wie in Koblenz könnte es auch in Wuppertal geben. FOTO: Andreas Fischer (Archiv)
Wuppertal. Der Verein Seilbahnfreies Wuppertal informiert über den aktuellen Stand der Planungen. Er übt scharfe Kritik an Politik und Stadtverwaltung. Die Gegner zweifeln an, dass die Deutsche Bahn das Gelände für die Talstation verkauft. Von Michael Bosse

Wenn schon bei den Verantwortlichen der Stadt kein Einsehen herrscht, dann vielleicht eher beim Land. "Der Zuwendungsgeber gibt dafür keine Unterstützung", sagt Marc Gennat, 2. Vorsitzender des Vereins Seilbahnfreies Wuppertal, jetzt bei einer Info-Veranstaltung in Cronenberg. Das Projekt könne durch das Land nicht bezuschusst werden, da der Bau der Seilbahn vom Hauptbahnhof zum Schulzentrum Süd nicht für zeitliche Einsparung im Personennahverkehr sorge - eher im Gegenteil. Das Scheitern des Projektes sei deshalb jetzt schon so sicher "wie das Amen in der Kirche". Und sollte das Land diese Ansicht nicht teilen, bleiben den Gegnern des Projekts immerhin noch Klagen vor Gerichten. Die könnten das Verfahren dann um viele Jahre verzögern.

Zwei Stunden haben Gennat und weitere Vertreter des Vereins zuvor deutlich gemacht, warum das Seilbahn-Projekt aus ihrer Sicht wirtschaftlicher Irrsinn ist und einen Kahlschlag im Öffentlichen Personennahverkehr nach sich zieht. In drei verschiedenen Vorträgen kritisieren sie das Vorhaben scharf und bescheinigen den Planern, in "postfaktischen Zeiten" zu leben. Bei den meisten der mehr als 100 Besucher rennen sie offene Türen ein, für die Argumente der anwesenden Vertreter des Vereins Pro Seilbahn Wuppertal haben sie kein Ohr.

Auch der stellvertretende Bezirksbürgermeister Michael-Georg von Wenczowsky spart zur Begrüßung nicht mit Kritik. Cronenberg sei von dem geplanten Bau der Seilbahn "am meisten betroffen", sagt er. Ob das auch die Bewohner in der Südstadt so sehen, bleibt fraglich. Vor allem die geplanten Streichungen im Busverkehr moniert der stellvertretende Bezirksbürgermeister, außerdem werde der "Stadtsäckel" durch die entstehenden Kosten zusätzlich belastet.

Die rhetorische Vorlage nehmen die Vertreter des Vereins dankend auf. Vorstand Dennis Thiel rechnet vor, dass sich die Fahrzeiten der Busse von der Innenstadt nach Cronenberg durch die Einführung der Seilbahn um bis zu 14 Minuten verlängern könnten. Zudem seien die bislang präsentierten Daten zu den Betriebskosten der Seilbahn zweifelhaft und nicht vollständig. So werde mit Kosten von 1,6 Millionen Euro im Jahr gerechnet, Seilbahnen in anderen Ländern würden aber locker das Doppelte bis Vierfache kosten. Wichtige Posten wie Brandschutz oder Versicherung seien in den Betriebskosten zudem noch nicht berücksichtigt.

Scharf angegangen werden auch die von den Stadtwerken geplanten Einsparungen im Busverkehr, die umgesetzt werden sollen, wenn die Seilbahn in Betrieb ist. So sollen die schnellen City-Express-Linien 64 und 65 - aus Solingen oder Sudberg kommend - nur noch bis zum Schulzentrum Süd fahren, zudem wird der Takt bei vielen Linien ausgedünnt. Bis zu 30 Prozent weniger Busfahrten drohten. Fraglich sei nach wie vor auch, ob die Deutsche Bahn das Gelände am Hauptbahnhof für den Bau einer Talstation verkauft. Das eigentlich noch für dieses Jahr geplante Gespräch zwischen Stadt und Bahn zu dem Thema ist nach Angaben des Vereinsvorstands Kai Koslowski gerade verschoben worden. Überdies fehle weiter die Zustimmung der Bahn, dass die Seilbahngondeln über die Gleise am Hauptbahnhof schweben dürften.

Immerhin finden sich auch einige Stimmen, die sich für das Projekt aussprechen. So erklärt Stadtrat Thomas Hahnel-Müller (CDU unter höhnischen Gelächter, dass die Seilbahn eine "Chance für Wuppertal" sei. Neben dem touristischen Zugewinn gebe es eine bessere Anbindung an die Innenstadt und die Uni. Axel Sindram, der über den Fahrgastverband Pro Bahn die Idee zur Seilbahn mit angeschoben hatte, nennt die präsentierten Zahlen veraltet. "Wir lassen uns als Bürgerinitiative nicht diskreditieren", sagt er.

Quelle: RP
 
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