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Wuppertal
Die Jungfernfahrt der Schwebebahn

Wuppertal. Hell, bequem, modern und leiser - meistens jedenfalls. Das ist der erste Eindruck der neuen Wagen-Generation nach der Premierenrunde durchs Tal. Noch sammeln die Ingenieure bei den Fahrten Daten und Erfahrungen. Von Lothar Leuschen

Sie fährt. Und sie fährt schön. Wagen 1 der neuen Schwebebahn ist in der Nacht zu Mittwoch erstmals auf Tour durch Wuppertal gegangen, an Bord die Spitzen der Stadt und der Stadtwerke. Ihr Urteil: super. "Da ist richtig Musik im Geschäft", sagte beispielsweise der Aufsichtsratschef der Stadtwerke, Dietmar Bell (SPD) - er meinte die Kraft, mit der die neuen Gelenktriebwagen in Fahrt kommen.

Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) würdigte Komfort und Licht. "Ich bin heute noch mit einer alten Schwebebahn gefahren, die neue ist viel leiser", fügte er hinzu. Seinem Vorgänger im Amt, Peter Jung (CDU), gefällt das Innenleben. "Das sieht wirklich wertig aus."

Dabei war von der Einrichtung überhaupt noch nicht alles zu sehen. Denn die Jungfernfahrt mit Prominenten war gleichzeitig eine Testfahrt für Techniker. Der grüne Boden war teils noch mit Pappe bedeckt, überall Messgeräte, Kabel, Computer und Sensoren. Es muss noch einiges gemessen werden, ehe die neuen Wagen in den Normaldienst gehen können. "Sie fährt noch nicht störungsfrei", räumte WSW-Geschäftsführer Ulrich Jaeger ein. In der Nacht zuvor sei sie zwischendurch einfach stehengeblieben. Ein Computerprogramm hatte die Arbeit eingestellt. "Da wurde das alte wieder aufgespielt und es ging weiter." Insgesamt macht die neue Wagengeneration aber jetzt schon einen blendenden Eindruck. Das sieht auch Stadtkämmerer Johannes Slawig so, der gleich am Panoramafenster im Heck des Wagens Platz genommen hatte. Beste Aussichten, sogar nachts. Denn vom Fenster aus waren die Fotografen zu sehen, die auf die Ausfahrt des neuen Wagens gelauert haben. Jedes Foto von der himmelblauen Schwebebahn ist noch eine Besonderheit.

Das galt aber auch für die erste Fahrt. Die Stimmung an Bord erinnerte bisweilen jedenfalls an die aufgeregte Vorfreude auf die erste große Klassenfahrt. So eine Jungfernfahrt mit Schwebebahn ist eben ausschließlich in Wuppertal möglich, und das auch nur alle 40 Jahre. Und seine persönlichen Geschichten mit dem Wahrzeichen der Stadt hat sicher fast jeder Wuppertaler.

Für Ulrich Jaeger und die Leute von Vossloh Kiepe war es auch eine Dienstfahrt. Vossloh Kiepe baut die insgesamt 31 neuen Wagen in einem Tochterunternehmen in Valencia. Jeder Meter Strecke gilt dem Sammeln von Daten und Erfahrungen. Das Personal muss sich auf die neuen Wagen und deren Eigenschaften einstellen. Da geschieht es noch, dass die Fahrer ein bisschen zu stark auf die Bremse treten. "Die Folge sind Flachstellen an den Radreifen", erklärte der Chef der Stadtwerke, Andreas Feicht. Wenn so etwas geschehen ist, dann merken das auch die Gäste. Die sonst so leise Bahn holpert rhythmisch über die Gleise und erzeugt Stöße, die am ganzen Gerüst spürbar sind. Das ist leicht reparabel, führt vorübergehend allerdings zu Lärm. Solche Kleinigkeiten konnten das positive Urteil der Fahrgäste nicht trüben. Die neue Bahn ist kein Vergleich zu den Wagen, die nun schon seit 40 und mehr Jahren durch Wuppertal schweben.

Quelle: RP
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