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Wuppertal
Die Mobilitätswende scheitert an Scheuklappen

Wuppertal. Die Mobilitätswende sei das ökologische Kernprojekt der kommenden Jahre. Das schrieb Uwe Schneidewind kürzlich in einem Beitrag in Edison, einem Magazin des Handelsblatts. Der Präsident des Wuppertal Instituts sieht die Mobilitätswende als große Aufgabe für die mögliche Jamaika-Koalition.

Diese Aufgabe ist ein bundespolitisches Thema, aber eines mit kommunalen Auswirkungen. Eines, das vielleicht kommunaler Musterprojekte bedarf. Aber die sind aus Wuppertal aktuell nicht zu erwarten. Zuletzt hatten die Grünen im Rat einen Aktionsplan gefordert. Es ging einerseits darum, verfügbare Fördermittel zu beantragen, um den ÖPNV zu stärken, und andererseits, ein Mobilitätskonzept zu entwickeln - all das auch, um die Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten und somit Dieselfahrverbote zu verhindern. CDU-Fraktionschef Michael Müller warf den Grünen vor, nur "verbieten, zurückdrängen, verhindern" zu können. Gleichzeitig wischte Sedat Ugurman (SPD), Mitglied des Verkehrsausschusses, die Diskussionsvorschläge vom Tisch. Die Projekte seien nicht finanzierbar. Punkt. Die Freigaben von Rad- oder Busspuren würden noch mehr Stau und schlechtere Luft verursachen. Und ein Bürgerticket würde keiner nutzen.

Schneidewind hingegen hält solche Vorschläge zumindest auf Quartiersebene für bedenkenswert. Aus seinem Haus kommt eine 800 Seiten starke Doktorarbeit zum Thema Bürgerticket. Die wurde auch bei der Vortragsreihe "Transformationstandem" zur Mobiltät in der City Kirche vorgestellt. Auch in Sachen Fahrradstadt sieht Scheidewind die Stadt ins Hintertreffen geraten. Das sehe man an der "stiefmütterlichen Behandlung des Radverkehrs am Döppersberg". Er sieht beim Radverkehr mehr Handlungsbedarf.

In seinem Beitrag über die Mobilitätswende schreibt Schneidewind über die kulturellen Differenzen. Junge sähen lieber weniger Verkehr in der Stadt, ältere begriffen das Auto als Freiheitssymbol. Klaus Lüdemann (Grüne) sagte in Richtung SPD und CDU: "Wenn es zu Fahrverboten für Diesel kommt, sind Sie schuld." Die FDP hatte einen Zusatzantrag zu dem der Grünen gestellt. Ohne Vorschläge. Nur eine Aufforderung, ein Mobilitätskonzept zu erstellen. Das wurde angenommen. Da fehlten die Reizwörter "autofrei" und "Fahrrad". Am Ende werden sicher einige grüne Ideen ihren Weg dort hinein finden.

(ecr)
 
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