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Wuppertal
Die WSW polieren den Kaiserwagen auf

Wuppertal. So präsentiert sich der Kaiserwagen selten. Die Deckenverkleidung ist abmontiert und Kabel hängen herunter. Tische und Bänke wurden ebenso entfernt wie die Haltestangen aus Messing. Von Eike Birkmeier

Im vorderen Bereich ist die sonst hinter Abdeckplatten versteckte Elektrik sichtbar. Der ungewöhnliche Anblick hat seinen Grund: Der Kaiserwagen wird für die anstehende Hauptuntersuchung auf Herz und Nieren geprüft. In der Vohwinkeler Schwebebahnwerkstatt laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Das spezielle Verfahren findet alle fünf Jahre statt. Diesmal ist es durch die Anpassung an die Technik der neuen Wagengeneration noch etwas aufwendiger. Bis Mitte April soll alles fertig sein.

"Das ist ein strammer Zeitplan", sagt Ralf Barnat, Werkstattmeister bei den Wuppertaler Stadtwerken (WSW). Für ihn ist die Überarbeitung des Gefährts aus dem Jahr 1900 etwas Besonderes. Immerhin haben darin schon Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin, Auguste Viktoria, Platz genommen. "Das bedeutet viel Verantwortung", sagt Barnat.

Die beiden Wagen werden nacheinander auf Loren gelagert und untersucht. Vor allem die sicherheitsrelevanten und tragenden Teile stehen auf dem Prüfstand. Dazu gehören die Wagenkastenaufhängung, die Elektronik, die Räder und die Bremsen.

Im Prinzip funktioniert der Kaiserwagen wie damals. Über eine Nockenfahrschaltung wird stufenweise Fahrstrom zugeschaltet. Deshalb kann das Beschleunigen schon mal etwas ruckelig sein. Vorbild war die Straßenbahntechnik. Gebremst wird mit Druckluft. Allerdings wurde aus Sicherheitsgründen ein zweiter Bremskreis für den Fall eines Stromausfalls nachgerüstet.

"Die alte Technik ist eine Herausforderung", sagt Ralf Barnat. So ist das historische Drehgestell noch komplett genietet. Auch die spezielle Gleitlagerführung hat ihre Tücken. "Solche Lager lassen sich nicht kaufen und müssen extra hergestellt werden", erklärt Barnat. Dafür wird ein Metallblock eingeschmolzen und dann gegossen. Die Teile müssen später genau an die Radachse angepasst werden.

Dafür sind Arbeitsgänge notwendig, die es heute eigentlich gar nicht mehr gibt. Beim sogenannten Einschaben wird etwa das überschüssige Material der Lager entfernt. Auch rein handwerkliche Fähigkeiten sind gefragt. Für die Überarbeitung der reich verzierten Deckenverkleidung ist ein Schreiner zuständig. Anschließend werden die Ornamente nachgemalt. Innen und außen erhält der Kaiserwagen außerdem eine neue Lackierung. Danach wird noch alles poliert.

Ralf Barnat ist auch für die neue Wagengeneration mit ihrer digitalen Technik zuständig. "Beim Kaiserwagen haben wir dagegen die pure Mechanik", betont er. Alt und Neu müssen künftig miteinander auskommen (siehe Kasten). Dafür muss eine spezielle Zugsicherheitstechnik verbaut werden. Der Kaiserwagen erhält daher im vorderen Bereich einen modernen Touchscreen. Damit die Nostalgie nicht zu sehr gestört wird, ist eine Holzeinfassung geplant. Die Überarbeitung und Prüfung kosten 250 000 Euro.

Quelle: RP
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