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Wuppertal
"Krötenmord": BUND zeigt Stadt und Ikea an

Wuppertal. Wegen der Tötung von etwa 450 Erdkröten auf der Ikea-Baustelle hat die Kreisgruppe Wuppertal des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Strafanzeige erstattet. Das teilt der BUND in einer Pressemitteilung mit. Von Carolin Scholz und Katharina Rüth

Als Verantwortliche für diesen "Krötenmord" ist ausdrücklich Bau- und Umweltdezernent Frank Meyer genannt sowie weitere verantwortliche Personen in seinem Dezernat, die Ikea-Geschäftsleitung, der im Auftrag von Ikea arbeitende Ökologische Baubegleiter und die Bauleiter der Firmen, die auf dem Gelände arbeiten.

Anfang April hatte Jörg Liesendahl, Diplom-Biologe und Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe, bereits Alarm geschlagen. Er habe festgestellt, dass zahlreiche Erdkröten aus den angrenzenden Wald-, Grünland- und Gartenflächen in Richtung des bereits zerstörten Mühlinghaus-Teiches wanderten, der sich früher auf dem Gebiet des künftigen Ikea-Parkplatzes befand. Das sei erwartbar gewesen, da diese immer dahin wanderten, wo sie selbst geschlüpft sind. Der installierte Zaun reiche nicht, um die Kröten vom Gelände fernzuhalten.

Er forderte die sofortige Stilllegung der Baustelle für eine Woche, damit die Kröten gerettet werden können, denen sonst auf der vielbefahrenen Baustelle der Tod drohe.

Die Stadt lehnte eine Stilllegung der Baustelle ab. Sie prüfte den Zaun und schloss dabei einige Lücken. Nach Angaben des BUND sind danach dennoch Kröten weitgehend ungehindert auf das Baufeld gelangt, "so dass alle an den Mühlinghaus-Teich gebundenen Erdkröten und vermutlich auch andere Amphibien auf der Baustelle getötet wurden."

Der BUND hält sogar Vorsatz für möglich, "um nämlich dem Investor Ikea die wenigen Euros Mehrkosten zu ersparen, mit dem die Tiere hätten gerettet werden können". Deshalb habe Jörg Liesendahl die Staatsanwaltschaft gebeten, diese Vermutung gezielt zu überprüfen. "Ich verspreche mir davon, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden", sagte Liesegang.

Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft, ist eine solche Strafanzeige noch nicht bekannt - das könne aber am Postweg liegen. Eins sei jedoch sicher: "In dem Moment, in dem eine Anzeige eingeht, werden wir prüfen, ob sie Anlass zur Aufnahme von Ermittlungen gibt."

Dezernent Frank Meyer hat bisher nur über die Medien von der Anzeige gehört. Er sieht den Vorgang gelassen: "Wir glauben, dass wir sauber gearbeitet haben." Der Vorgang sei bedauerlich: Der BUND habe genügend Gelegenheit gehabt, sich zu äußern, habe sich die Maßnahmen der Stadt leider nie erläutern lassen.

Der BUND hat zudem in einer Mail an Oberbürgermeister Andreas Mucke gefordert, dass der Bereich Natur- und Umweltschutz aus dem Bau- und Planungsdezernat herausgelöst wird. Denn diese Aufgabenkombination führe zu Interessenkollisionen.

Quelle: RP
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