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Wuppertal
Mehr Theater soll das Theater retten

Wuppertal. Die drei Sparten der Wuppertaler Bühnen - Theater, Oper und Orchester - gewinnen einen Aufschub bis immerhin 2021, wenn es gelingt, die neuen Empfehlungen des Strategieberatungsunternehmens Actori umzusetzen. Die Bühnen bewegten sich zuletzt auf eine steile und existenzgefährdende Rutschbahn zu: Wenn sie so weitermachen wie bisher, wären 2019 alle Rücklagen aufgebraucht und der Spielbetrieb nicht mehr zu finanzieren. Von Anne Grages

Seit dem vergangenen Herbst haben der Aufsichtsrat und die Geschäftsführung der Bühnen daher nach Möglichkeiten gesucht, diese Finanzlücke zu stopfen. Jetzt sprach Frank Schellenberg von Actori nach einer Sitzung mit dem Aufsichtsrat von einem Maßnahmenpaket "mit einem Potenzial von rund 630 000 Euro pro Jahr" - vor allem durch Mehreinnahmen, denn am Personal, was 90 Prozent der Kosten ausmacht, können die Bühnen laut Actori nicht mehr sparen.

Es soll vor allem mehr Vorstellungen geben, weil so mehr Ertrag bei gleichen Fixkosten zu erzielen ist - konkret heißt die Empfehlung, das Schauspiel solle zwei Produktionen im Opernhaus spielen und ein Stück mehr am Engelsgarten machen. Berthold Schneider plant im Opernhaus ohnehin mit gut 60 Vorstellungen und weiteren Aufführungen an anderen Orten. "Wenn wir weniger spielen, gefährdet das unsere Existenz", sagte Bühnengeschäftsführer Enno Schaarwächter. Die ursprüngliche Überlegung, das Orchester zu mehr Gastspielen zu schicken, falle weg, da das "nichts bringt".

Das Marketing soll verstärkt werden, um bisherige Kunden besser zu binden und neue dazu zu gewinnen. Dafür sind allerdings erst einmal Investitionen von 200 000 Euro für eine neue Stelle und andere Technik notwendig. Und: Die Bühnen sollen mehr Sponsoren finden. Als einzige Sparmaßnahme sollen die Aushilfen im Orchester deutlich reduziert werden. Dieser Posten steht mit 275 000 Euro im aktuellen Wirtschaftsplan - das sei im Vergleich zu anderen A-Orchestern schon ansehnlich, sagte Nocke.

Größere Preiserhöhungen sind nicht vorgesehen, vor allem nicht in den unteren Preisklassen.

"Uns ist ganz wichtig, dass wir kein hausgemachtes Problem haben", sagte Rolf Köster (CDU). Andere Bühnen in NRW hätten die gleichen Probleme. Der Grund: Die jährlichen Zuschüsse der Stadt für ihren Tochterbetrieb sind gedeckelt, das heißt, sie bleiben bis 2021 gleich - dann läuft der Stärkungspakt aus. Das bedeutet aber auch, dass die Bühnen die Tariferhöhungen für die rund 300 Mitarbeiter weitgehend selbst finanzieren müssen.

Nocke ist froh über die Ideen: "Wir sind stolz darauf, die Verzwergung des Wuppertaler Theaters in der Öffentlichkeit zu beenden. Die gute Nachricht ist doch: Wir können jetzt ein halbes Jahrzehnt einfach mal Theater machen - das ist doch schon was." Doch der Weg dahin ist noch nicht ganz geebnet. Zwar tragen Theaterintendantin Susanne Abbrederis, Opernintendant Berthold Schneider und die neue Generalmusikdirektorin Julia Jones "dieses Modell voll mit", so Köster. Aber nun müssen sich drei neue Arbeitsgruppen um die Details kümmern.

Quelle: RP
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