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Wuppertal
Promi-Namen für neue Wagen? Politik bremst

Wuppertal. Schwebebahnen könnten nach bekannten Wuppertalern heißen. Der Vorschlag steht seit 2010 im Raum. Aber es gibt Bedenkenträger. Von Katharina Rüth

Johannes Rau wäre sicher dabei, Pina Bausch auch. Vor sechs Jahren hatte ein junger CDU-Politiker die Idee, dass die neuen Schwebebahnwagen nach berühmten Persönlichkeiten aus Wuppertal benannt und entsprechend beschriftet werden könnten. Jetzt machen die ersten Wagen der neuen Generation ihre Testfahrten, und Udo Schneider vom Förderverein Historische Schwebebahn erinnert an den Vorschlag.

Rau, Engels und Frowein auf Wuppertals Wahrzeichen? Auch die Lufthansa gibt ihren Flugzeugen Namen und die Bahn ihren Zügen. Gerrit Groß hatte seinen Vorschlag Anfang September 2010 so begründet: "Wuppertaler, Auswärtige und Touristen würden von dem großen kulturellen und gesellschaftlichen Erbe der Söhne und Töchter der Stadt erfahren." Auf Informationstafeln im Inneren der Wagen könne man einen kurzen Lebenslauf der jeweiligen Person präsentieren.

Udo Schneider hat den ersten Zeitungsartikel dazu aufbewahrt und jetzt wieder hervorgeholt. "31 Namen kriegt man spielend zusammen", hat er festgestellt. "Ich kenne mich ein wenig aus in der Stadt und der Stadtgeschichte."

Die Leser reagierten damals unterschiedlich. "Nette Idee" schrieben die einen, "Träumerei" andere. Einige lehnten den Vorschlag ab, er werde zu endlosen Diskussion führen. Es gab auch einen prominenten Unterstützer: Der damalige Oberbürgermeister Peter Jung erklärte, er könne sich das gut vorstellen.

Da aber zunächst ein Hersteller der Wagen gefunden werden musste, wurde das Thema vertagt. Die CDU brachte es zurück in die Diskussion. Am 29. April 2013 beschloss der Rat einstimmig, den Stadtwerken einen Prüfauftrag zu erteilen.

Nach Auskunft der Stadt hielten die Stadtwerke die Idee grundsätzlich für umsetzbar, hatten aber auch Bedenken. Unter anderem fürchteten sie Konflikte mit möglicher Werbung - wegen des Platzes und wegen des Inhalts: Je nach Produkt könne die Reklame das Ziel der Ehrung gefährden, wenn beispielsweise für Hygiene-Produkte geworben werde. Und auch die Frage danach, welche Namen denn eigentlich auf den Bahnen stehen sollen, und wer das entscheidet, führte zu weiteren Bedenken - auch bei der Politik. Die Alternative, die Bahnen nach Stadtteilen oder Quartieren zu benennen, brachte keine Lösung: Stadtteile gibt es zu wenige, Quartiere zu viele. Von daher sei das Thema nicht weiterverfolgt worden, so Ulrike Schmidt-Keßler von der Stadtverwaltung.

Die Angst vor der Diskussion lässt auch aktuell Politiker eher distanziert auf den Vorschlag reagieren: "Derzeit ist das bei uns kein Thema", sagt CDU-Fraktionschef Michael Müller. Patric Mertins, Fraktionsgeschäftsführer, erklärt, man wolle keinen vor den Kopf stoßen. Für die SPD sagt Fraktionsgeschäftsführer Ulf Klebert: "Im Moment liegt unser Hauptaugenmerk darauf, dass bald alle Wagen am Gerüst hängen." Möglicherweise sei es ein Fall für eine Bürgerbeteiligung. Als Beispiel nennt er den Schauspieler Horst Tappert: Ältere würden ihn kennen, jüngere nicht mehr.

Quelle: RP
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