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Zoo Wuppertal
Spannender Blick hinter die Zoo-Kulissen
Führung "Hinter die Kulissen" im Zoo Wuppertal
Führung "Hinter die Kulissen" im Zoo Wuppertal FOTO: Ines Rzepka
Wuppertal. Die grauen Riesen schauen nur kurz von ihren frischen Heuballen auf und lassen sich beim Nachmittags-Snack nicht groß stören. Die Besucher im Innenraum des Elefantenhauses machen hingegen große Augen: So nah kommt man den Dickhäutern trotz respektvollen Abstands selten. Bei der Führung "Hinter die Kulissen" des Wuppertaler Zoos gab Verwaltungsleiter Karl-Joachim Flender ungewöhnliche Einblicke in den Betrieb. Von Ines Rzepka

"Bitte die Kinder im Sicherheitsbereich an die Hand nehmen, die Rüssel nicht anfassen und zusammenbleiben", fordert Elefantenpfleger Gustav Röckener die Teilnehmer auf. Kurz vorher hat er die Herde aus dem Außenbereich in die Ställe gebracht. Der Bulle Tusker steht alleine in einem besonders abgeschotteten Gehege. "Sie kommen heute Abend nochmal raus, bei gutem Wetter auch die ganze Nacht." Steffi Mansfeld ist wie die übrigen Besucher begeistert: "Ich bin ganz überrascht, dass wir so nah ran durften." Sie hat eine Jahreskarte und kommt regelmäßig in den Zoo: "Jetzt wollte ich mal gucken, wie alles funktioniert und etwas über die Arbeit der Tierpfleger erfahren."

Die besteht zu großem Teil aus Putzarbeiten, wie Pflegerin Jessica Hartmann erzählt – bei den Seelöwen steht beispielsweise eine ihrer 42 Kollegen im leeren Becken und reinigt mit einem Hochdruckreiniger den gefliesten Boden. Die Tiere lassen sich nicht stören und rutschen wie jubelnde Fußballprofis auf dem Bauch über den nassen Boden. "Abends trainieren wir mit den Tieren kleine Kunststücke. Vier machen interessiert mit", sagt Hartmann, die auch geholfen hat, Eisbärbaby Anori aufzuziehen.

Schwer heben gehört auch zum Tagesgeschäft: "Platten mit dem Fisch wiegen 25 bis 30 Kilogramm", sagt Hartmann. Und davon werden täglich mehrere bei den Seelöwen serviert. "Im Winter fressen die uns regelrecht die Haar vom Kopf", sagt Flender scherzend. Anschließend dürfen alle einen Blick ins Futterlager werfen: In zwei großen Kühlhäusern lagern Obst und Gemüse sowie große Stücke Fleisch an Metzgerhaken, in der Gefrierkammer stehen die Fischplatten. "Wir haben fast nur Rind hier. Das ist ganz frisch und nicht abgehangen wie beim Metzger, das vertragen die Tiere nicht", erklärt Flender und weist für die "Hartgesottenen" auf eine Kiste mit toten Eintagesküken. Mit Hätscheln und Kuscheln hat die Arbeit im Zoo wenig zu tun, "diese Flausen müssen wir auch den jährlich etwa 150 Bewerbern teilweise austreiben",

Zahlenmaterial hat der Verwaltungsleiter auch parat: "700.000 Euro geben wir pro Jahr für Futter aus. Ein Euro von jedem Eintritt wird also verfressen." Seine Frage in die bunt gemischte Runde von Grundschulkindern bis zur 92-Jährigen im Rollstuhl kann niemand richtig beantworten: "Welche Tier sind am teuersten? Die Vögel – mehrere Kollegen bereiten einige Stunden täglich das Futter zu." An Betriebskosten kommen jährlich sieben Millionen Euro zusammen, "wenn es gut läuft erwirtschaften wir 40 Prozent selber".

Auf dem Weg zwischen den Stationen bei den Flamingos, vorbei am Zoo-eigenen Fuhrpark und zum Abschluss zu den Menschenaffen löchern die Besucher Flender und Hartmann noch mit Fragen. Wie viel wiegt denn beispielsweise Anori inzwischen? Gut 75 Kilogramm. Dabei bezeichnet der Verwaltungsleiter die vor gut einem Jahr geborenen Bonobo-Zwillinge als "noch größere zoologische Sensation" - die beiden klammern sich noch an Mutter Eja fest. Die kindliche Neugier vor der Scheibe ist mindestens genauso groß und hat bei der Führung reichlich Futter bekommen.

Quelle: irz/jco/url/top
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