| 00.00 Uhr

Wuppertal
Waschbären erobern die Stadt

Wuppertal. Experten raten, die Tiere nicht zu füttern und ihnen nicht zu nahe zu kommen. Von Dominique Schroller

Im ersten Moment dachte Regina Molle, ihre Fantasie hätte ihr einen Bären aufgebunden. Doch auf den zweiten Blick war die Wuppertalerin sich sicher, dass der puschelige Schwanz vor ihrem Gartenhaus in Unterbarmen nicht einer großen Katze, sondern einem Waschbären gehörte. Der vierbeinige Besucher suchte mitten am Tag nach einer schmackhaften Zwischenmahlzeit. "Weil er so mit den Schalen gerappelt hat, wo sonst schon mal das Katzenfutter drin ist, bin ich überhaupt nur auf ihn aufmerksam geworden", sagt Molle. Die Begegnung jagte ihr einen Schrecken ein. "Ich wusste gar nicht, wie ich reagieren sollte. Irgendwie hatte ich immer gedacht, es seien kleine possierliche Tierchen, doch sie sind ganz schön mächtig."

Und sie haben sich in Wuppertal häuslich eingerichtet. "Sie sind gerne am Wasser. Wer abends spät an der Wupper unterwegs ist, kann sie dort treffen", sagt Joachim Röhrken. Der Hegeringverantwortliche für den Bereich Barmen ist den Einwanderern aus Nordamerika auch schon begegnet. "Ab und zu laufen sie durch die Wildkameras. Ich habe aber auch schon zwei aus einem Komposter herausgeholt. Die Handschuhe mussten ziemlich dick sein, denn sie beißen kräftig zu."

Wie viele der Vierbeiner in der Stadt leben, darüber gibt es keine Zahlen. "Doch es sind sicher nicht wenig." Denn der Tisch ist reichlich gedeckt. Jeder Mülleimer, jeder weggeworfene Hamburger sind für die Raubtiere ein gefundenes Fressen. "Sie müssen ihre Beute nicht einmal jagen und sie haben hier auch keine natürlichen Feinde", betont Joachim Röhrken.

Wie viel Schaden die Waschbären in der heimischen Flora und Fauna anrichten, darüber streiten die Experten. Für den Hegeringverantwortlichen steht jedoch fest, dass die Verluste bei Vögeln, Amphibien und kleinen Nagetieren erheblich sind. "Er ist ein Nesträuber, der die Gelege zerstört und sich alles holt, was ihm vor die Schnauze kommt." Nur durch eine konsequente Jagd mit Flinte und Fallen sei seine massenhafte Verbreitung zu verhindern. Für uns gehört es zu einer verantwortungsbewussten Hege, den Waschbären klein zu halten", betont Joachim Röhrken.

Er warnt davor, die Pelztiere zu unterschätzen. Die hochintelligenten Bären mit dem ausgezeichneten Langzeitgedächtnis sind unangenehme Untermieter. "Sie machen richtig viel Lärm und die Geruchsbelästigung ist noch schlimmer." Am warmen Schlafplatz bleiben sie länger und vererben ihn auch. "Wer einen Waschbär gefangen hat, sollte alle Zugänge gründlich abdichten", rät Röhrken. Er empfiehlt, die Tiere mit Honigbrötchen in eine Lebendfalle zu locken und den Rest einem Jäger oder Förster zu überlassen.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Wuppertal: Waschbären erobern die Stadt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.