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Wuppertal
Wie in einer Sänfte dahingleiten

Wuppertal. Grünen Strom beziehe ich seit Jahren, Energie sparen, Müll vermeiden und der Kauf von Bioprodukten gehören zum Alltag. Nur auf das Auto kann ich nicht verzichten. Flexibel voranzukommen, fordert nicht nur der Beruf, es ist ein entscheidender Teil meines Lebens. Die Schadstoffe, die ich dabei in die Atmosphäre puste, stören mich allerdings schon lange. Von Dominique Schroller

Höchste Zeit, aus dem Diesel aus- und in das Elektromobil einzusteigen. Drei Tage kann ich den Renault Zoe auf Strom und Stecker testen. Der kleine Schwarze gefällt mir auf den ersten Blick. Das innovative Design macht ihn zu einem futuristischen Flitzer, und noch mehr reizen mich seine inneren Werte. Die Technik erklärt mir Jan Wintermüller in wenigen Worten. "Entscheidend ist umzudenken. Statt so lange zu fahren, bis die Akkus leer sind, lädt das Auto, sobald es irgendwo steht." Klingt einleuchtend.

Die Kabel finde ich im Kofferraum: eines für die Schnellladetankstellen im Stadtgebiet, eines für die ganz normale Haushaltssteckdose. Der Anschluss verbirgt sich vorne unter einer Klappe, die auf Knopfdruck aufspringt. Wo ich die nächste Tanke finde, zeigt mir der Computer im Cockpit. Meine Befürchtungen, irgendwo leerzulaufen, lösen sich schlagartig in Luft auf.

Reinsetzen, starten und - Stille. Kaum löst sich mein Fuß von der Bremse, rollt der Wagen sanft an. Wie in einer Sänfte gleite ich auf die Straße. Nach ein paar Minuten hätte ich fast vergessen, dass ich in einem Elektroauto sitze, wären da nicht die Zwischentöne in der Radiomusik, die sonst das Motorengeräusch verschluckt.

Am Verlagsgebäude angekommen, halte ich an der nächsten Steckdose, und sofort signalisiert mir ein bläuliches Licht, dass der Wagen vom elektrischen Saft trinkt. Als ich zum nächsten Termin starte, ist er fast wieder bei 100 Prozent. Dennoch verordne ich mir Sparsamkeit und schalte den Eco-Modus ein. Die Batterie dankt es mir, am Fahrgefühl ändert sich nichts.

Erneut genieße ich den Eindruck dahinzugleiten und den Komfort, dass mir das Auto fast jeden Handgriff abnimmt. Kaum bin ich im Burgholztunnel, schaltet sich von selbst das Licht ein. Als es auf der anderen Seite zu regnen beginnt, bewegen sich ohne mein Zutun die Scheibenwischer. Ich trete mit grünem Gewissen aufs Gaspedal, das flinke Auto zieht ab.

Nach getaner Arbeit rolle ich heimwärts und schließe den Wagen gleich an der Steckdose an. Diesmal teilt das Display allerdings mit, dass Energieaufnahme unmöglich ist. Nach einigem Hin- und Herstöpseln konsultiere ich die Betriebsanleitung. Doch der Hinweis auf eine mögliche Programmierung hilft wenig und der gute Rat "wenden Sie sich an Ihre Werkstatt" bringt mich um 20.30 Uhr auch nicht weiter. Also die Nummer für Notfälle. Die Empfehlung: fünf Minuten warten, bis der Bordcomputer heruntergefahren ist, und dann noch einmal versuchen. Es klappt. Wäre auch zu schade gewesen, wenn der Wagen unseren Ökostrom verschmäht hätte. Ich freue mich schon, am nächsten Tag wieder einzusteigen.

Quelle: RP
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