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Wuppertal
"Wuppetal ist nicht die Hausmüll-Hochburg"

Wuppertal. Laut einer Studie zählen die Wuppertaler zu den größten Produzenten von Hausmüll in Deutschland. AWG und Stadt bestreiten dies. Von Andreas Boller

In bundesweiten Studien und Statistiken landet Wuppertal als Stadt im Strukturwandel sehr oft nur auf den hinteren Rängen. So zuletzt in einer Studie der Internet-Plattform "billiger.de" über das Müllaufkommen in 200 deutschen Städten. Die Macher der Studie leiten aus den Zahlen die gewagte These ab, dass Städte mit einer relativ einkommensschwachen Bevölkerung mehr Müll als Städte mit wohlhabenderen Einwohnern produzieren. In der Studie wird Wuppertal als "Hausmüll-Hochburg" eingestuft.

Conrad Tschersich, Geschäftsführer der Abfallwirtschafts-Gesellschaft mbH (AWG), zweifelt die Aussagekraft des Städtevergleichs an. "Bei der Diskussion über Müll und Müllvermeidung werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Da ist mehr von Mengen und Quoten als von der Müllverwertung die Rede. In diesem Bereich ist Wuppertal aber mit der Fernwärmeversorgung durch die Müllverbrennung oder mit seinen Sammelcontainern für Elektro-Kleingeräte sowie für Papier und Glas sehr gut aufgestellt", sagt Tschersich. Nach Einschätzung der AWG sollte Wuppertal nicht als Hausmüllhochburg abgestempelt werden. "Je nach Berechnung gehören wir dem Mittelfeld an."

Die Mengen an Haus- und Sperrmüll, die in Wuppertal pro Kopf produziert werden, sind allerdings gewaltig. Im Schnitt sind es rund 240 Kilo pro Einwohner und Jahr. Dieser Wert ist seit einigen Jahren trotz wachsender Bevölkerung stabil. Laut Statistik bringt es eine vierköpfige Familie im Jahr auf knapp eine Tonne Müll. Da ist es sicher nur ein schwacher Trost, dass die Nachbarstadt Solingen laut der Studie pro Kopf noch höhere Müllberge produziert.

57,4 Kilo der 240 Kilo Hausmüll seien dem Sperrmüll zuzurechnen, der nach Bochum transportiert und dort verwertet wird, erklärt Conrad Tschersich. Rechnet man den Sperrmüll aus dem Hausmüll heraus, dann kommt man auf eine Zahl von 180 Kilo pro Kopf, mit der Wuppertal im oberen Mittelfeld der Müll-Tabelle landen würde.

"Die Menge des Sperrmülls ist in Wuppertal allerdings überdurchschnittlich groß. Die großen Mengen entstehen, weil vieles in unserer Stadt im Sperrmüll landet, das eigentlich in die graue Tonne gehört", sagt Anga Zehnpfennig, Fachreferentin für Abfallwirtschaft der Stadt Wuppertal. Dass hochwertige Möbel und Konsumgüter seltener auf dem Sperrmüll landen als Massenware, könnte ein weiterer Grund sein, aber das ist reine Spekulation.

"Wir haben gemeinsam mit der Bergischen Universität untersucht, ob es möglich ist, vom Alter, Einkommen, der Haushaltsgröße oder dem Bildungsstand auf das Müllaufkommen zu schließen, sind aber zu dem Ergebnis gekommen, dass solche Rückschlüsse nicht zulässig sind. Es mag sein, dass berufstätige Singles dazu neigen, verstärkt Fertiggerichte mit den entsprechenden Verpackungen zu kaufen, statt selbst zu kochen, aber auch das lässt sich nicht eindeutig belegen", sagt Zehnpfennig.

Die wichtigste Aufgabe für AWG und Stadt bleibe daher die Aufklärung, damit der Müll erst gar nicht entsteht.

Quelle: RP
 
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