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Serie Ross Und Reiter
Für jeden Anspruch der richtige Reitkurs

Serie Ross Und Reiter: Für jeden Anspruch der richtige Reitkurs
FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Der Reit- und Fahrverein Dhünn bietet seit fast 50 Jahren Schulreitstunden für Kinder und Jugendliche an. Es gibt Kurse im Voltigieren, Dressurreiten und Springreiten zur Auswahl. Doch auch das Miteinander steht im Mittelpunkt der Vereinsarbeit. Von Beate Wyglenda

Wermelskirchen Wenn die beiden Zwillingsschwestern Jil und Amelie nachmittags aus der Schule kommen, ist die Vorfreude bereits riesengroß. Denn dann können die Zehnjährigen wieder zu ihren Pferden Bingo und Crisby, dann geht's für sie wieder zum Reit- und Fahrverein Dhünn. Dort lernen die Schwestern nicht nur zu reiten, sie lernen auch den Umgang mit Pferden - wie sie zu pflegen und zu versorgen sind, wie man sie von der Weide holt, sattelt und einstallt.

Insgesamt 210 Mitglieder hat der Traditionsverein. Nächstes Jahr wird 50-jähriges Bestehen gefeiert. "Schon immer war unser Schwerpunkt das Schulreiten für Kinder und Jugendliche", erklärt der Vorsitzende Martin Hackländer. Der Reitverein Dhünn zählt zu den größten Reitschulen im Bergischen Land. Von den 210 Mitgliedern sind 146 unter 18 Jahre alt. Für sie werden täglich Trainingsstunden im Voltigieren, Dressur- und Springreiten angeboten. In zwei Hallen von 20 mal 40 Metern sowie auf zwei Außenplätzen findet der Unterricht von 17 bis 21 Uhr statt.

Die jüngsten Pferdenarren sind in den Voltigierkursen zu finden. Neben Anfänger- und Wettkampfgruppen bietet Sportwartin Claudia Wobedo seit 2010 auch eine Bambino-Truppe für Kinder ab vier Jahren an. "Das Voltigieren ist ein schöner Einstieg in den Reitsport, da die Kinder beim Turnen auf den Pferden spielerisch ihre motorischen Fertigkeiten, die Balance und Körperbeherrschung schulen", erklärt sie. Fähigkeiten, die auch fürs Dressurreiten wichtig sind. Denn nur wer sein Pferd beherrscht, könne es auch reiten, betont Wobedo. "Kinder, die vom Voltigieren kommen, sitzen besser auf dem Pferd und lassen sich auf seine Bewegungen ein."

Tatsächlich wechseln im Reitverein viele Voltigier-Kinder ab sieben Jahren zum Dressurreiten. Doch nicht nur: "Es gibt für jeden Schüler das passende Training, je nachdem welche Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Ambitionen er hat", sagt Sportwart Rüdiger Koch. "Manche Kinder wollen nur für den Spaß reiten, viele gehen aber auch auf Turniere." Deshalb gibt es unter anderem Leistungsgruppen mit entsprechend qualifizierten Lehrern sowie Einzelunterricht, etwa für jene, die sich intensiv auf Wettkämpfe vorbereiten wollen. Auch das Springreiten gehört zum Repertoire des Reitvereins Dhünn. Hackländer: "Dafür müssen die Schüler aber erst eine gute Dressurreitausbildung haben."

Um individuell auf die Reitschüler eingehen zu können, sind die Gruppenkurse auf vier bis fünf Kinder beschränkt. Jedes Training dauert 45 Minuten. Die Verweilzeit mit dem Pferd ist allerdings wesentlich länger. "Bei dem Sport geht es nicht nur ums Reiten, es geht darum, den respektvollen Umgang mit dem Pferd zu lernen", erklärt Hackländer. Deshalb muss jedes Pferd von seinem Reiter vor der Stunde erst einmal vorbereitet werden. Dazu gehört es , die Tiere von der Wiese zu holen, zu putzen, die Hufe auszukratzen, das Sattelzeug zu überprüfen sowie Mähne und Schweif zu kontrollieren. Auch nach der Reitstunde steht Arbeit an, vom Absatteln und Abtrensen über den Hufcheck bis zum Schutz vor der Kälte, wenn das Pferd geschwitzt hat. "Die richtige Nach-sorge im Anschluss ans Training ist genauso wichtig wie die Pflege davor - und dauert manchmal fast so lang wie das Reiten selbst", sagt der Vorsitzende. "Für die Kinder ist das aber eine sinnvolle Beschäftigung. Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und Disziplin."

Gerade weil der Reitsport jedoch viel Zeit beansprucht, wirkten sich die inzwischen langen Schulzeiten nachteilig auf den Verein aus. Eine Hemmschwelle für Eltern seien auch die Kosten, weiß Hackländer: "Sie denken, man braucht alles, sofort, und das sei zu teuer." Dabei stehen für Einsteiger vier Schulpferde bereit. Ein eigenes Pferd, so der Vorsitzende, sei erst ratsam, wenn das Talent und die Ambitionen über diese hinauswachsen. "Auch ansonsten helfen wir bei der Ausrüstung weiter. Wir kennen ja viele Leute, bei denen man gute Sachen gebraucht kaufen kann."

Allerdings beobachten die Vereinsverantwortlichen seit Jahren, dass die Ansprüche der Schüler wachsen. "An die Böden, an das Material, an sich selbst und die Pferde", bemerkt Wobedo. "Man muss sich die Kids doch nur einmal ansehen. Uns reichte damals zu Beginn eine einfach beige Hose, heute sind die Schüler bis zu den Gamaschen durchgestylt." Unnötig, ist sich der Vorstand einig.

Dabei haben die Verantwortlichen selbst hohe Ansprüche, und zwar an das Vereinsleben im Reitverein. "Wir arbeiten einfach gerne mit Kindern und Jugendlichen zusammen und legen Wert auf eine gute Jugendarbeit", sagt Koch. So werden gemeinsame Weihnachtsfeiern, Osterfeuer und Feste zu St. Martin veranstaltet, dazu regelmäßige Kinderturniere und Reiterfreizeiten am Seehof Reuter in Metelen. "Letztlich macht der Sport nur einen kleinen Teil aus", sagt Hackländer, "wir sehen uns als große Familie, und da kommt es auf das Miteinander an". Für Koch ist die gute Jugendarbeit zudem der Grund, wieso der Reitverein Dhünn im Gegensatz zu anderen Reitschulen keine Nachwuchsprobleme hat.

Quelle: RP
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