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Ernst-Moritz- Arndt-Gymnasium
Gedenkstätte im einstigen Pferdestall

Ernst-Moritz- Arndt-Gymnasium: Gedenkstätte im einstigen Pferdestall
Hier soll die Bildungs- und Gedenkstätte für Verfolgte des Nationalsozialmus entstehen: Der ehemalige Pferdestall hinter dem Polizeigebäude am Quimperplatz. FOTO: Roland Keusch
Remscheid. EMA-Gymnasium hat ein ehrgeiziges Ziel: Hinter dem Polizeigebäude soll an Verfolgte der Nazi-Zeit erinnert werden. Von Andreas Weber

Remscheid soll eine Gedenk- und Bildungsstätte für das Schicksal der Verfolgten zwischen 1933 und 1945 erhalten. Engagierte Lehrer und die Geschichts-AG am Ernst-Moritz- Arndt-Gymnasium werden als Einstieg am 9. November (13 Uhr), dem Jahrestag der Reichsprogromnacht, zwei Ausstellungen in der Stätte präsentieren, den sie als künftigen Standort auserkoren haben: den ehemaligen Pferdestall am Quimperplatz.

Hinter dem Polizeihauptquartier befindet sich das Eckgebäude, in dem am 9. November 1938 insbesondere jüdische Mitbürger über die ohnehin überfüllten Arrestzellen hinaus wie Vieh eingepfercht wurden.

Im Schulausschuss sprach Schulleiter Hans Heinz Schumacher am Mittwoch erste Einladungen für die Eröffnung aus. Zum einen werden EMA-Gymnasiasten eine Ausstellung zur sogenannten "Polenaktion" und zur Pogromnacht in Remscheid präsentieren. Darüber hinaus ist es dem Gymnasium gelungen, die Wanderausstellung "Vor aller Augen" von der Stiftung "Topografie des Terrors" aus Berlin hierhin zu lotsen. Vier Monate werden die Exponate am Quimperplatz zu sehen sein.

"Wir starten professionell", verspricht Schumacher und fügt hinzu: "Den Nachdruck, mit dem wir unser Ziel verfolgen, hätten uns viele nicht zugetraut." Der Einsatzwille der Projektgruppe um den stellvertretenden Schulleiter und Geschichtslehrer Olaf Wiegand ist immens. Er ist auch Ausdruck einer seit Jahren intensiv betriebenen Aufarbeitung der Nazi-Zeit in Remscheid.

"Vor zwölf Jahren wurden vor dem EMA die ersten Stolpersteine gelegt", führte Schumacher im Ausschuss an. Die vom mittlerweile pensionierten Geschichtslehrer Klaus Blumberg ins Leben gerufene Geschichts-AG arbeitete danach Nationalsozialismus und das Schicksal jüdischer Mitschüler an der EMA auf. Davon zeugen die Gedenktafel und der "Freund Baum" am Haupteingang an der Elberfelder Straße. Außerdem gibt es Bestrebungen, Austauschprogramme mit Israel zu intensivieren, ebenso das bislang vergebliche Bemühen, dort eine Austauschschule zu finden.

Mit der Bildungs- und Gedenkstätte tritt das EMA in eine neue Dimension. Für die Schüler war klar: "So etwas fehlt in Remscheid." Umliegende Kommunen wie Wuppertal, Köln oder Düsseldorf haben einen Ort der Erinnerung. Einen solchen in Remscheid dauerhaft zu etablieren, wird viel Geld kosten.

Ohne namhafte Mittel aus Fördertöpfen wird sich der Umbau nicht realisieren lassen. "Aber die größte Reise fängt nun mal mit dem ersten Schritt an", tasten sich Hans Heinz Schumacher und die vielen Mitstreiter am EMA an die Herkulesaufgabe heran.

Bis der "Pferdestall" zu einer ständigen Einrichtung wird, will das EMA an dem historischen Ort jährlich am 9. November weitere temporäre Ausstellungen aus den eigenen Reihen und von externen Leihgebern zeigen. Das Anliegen wird unterstützt von Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz und auch Birgitta Radermacher, heutige Regierungspräsidentin und zuvor Polizeichefin in Wuppertal. Die Polizei würde dem Gymnasium als Untermieter die Immobilie überlassen, die als Liegenschaft dem Land gehört.

Das Gebäude hält Hans Heinz Schumacher für ideal: Es besteht aus einem Hauptraum (19,5 x 8,30 Meter) und einem Nebenraum (10 x 8,30 Meter). "Der größere von beiden könnte für eine Dauerpräsentation genutzt werden, der kleinere für Bildungsveranstaltungen dienen", überlegt Schumacher. Zwei kleinere Räume stünden darüber hinaus zur Verfügung.

Vorteil: "Der Pferdestall ist weitgehend so erhalten wie damals." Heute wird er zwar teilweise als Abstellraum genutzt, könnte aber für eine Gedenkstätte so hergerichtet werden, dass sein authentischer Charakter nicht verloren geht.

Langfristig plant das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium eine wissenschaftliche Dauerausstellung, die Remscheids Geschichte im Nationalsozialismus, ihre Vor- und Nachgeschichte in Grundzügen dokumentiert und die Geschehnisse im Lernort "Pferdestall" begreifbar macht.

Quelle: RP
 
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