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Remscheid
Geldstrafe wegen Tierquälerei

Remscheid. Wie ein Häufchen Elend hockte der rot-braune Perserkater am Straßenrand, als er von einem vorbeifahrenden Tierfreund aufgefunden und danach liebevoll versorgt wurde. Bis auf 1,3 Kilogramm war das Tier abgemagert, die Zähne waren verfault und die Ohren hochgradig entzündet. Entkräftet, verwahrlost und völlig geschwächt hatte der Kater keine Überlebenschance, obwohl er von seinem Finder beinahe umgehend zu einer Tierärztin gebracht wurde. Alle eingeleiteten Maßnahmen halfen nichts, in der Nacht starb das Tier. Von Stefanie Bona

"Ich habe ihn nicht ausgesetzt. Definitiv nicht", beschwor indes seine Besitzerin, die sich gestern vor dem Remscheider Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten musste. Und stur blieb die 58-Jährige bei dieser Aussage, obgleich die Beweislast sowohl für Amtsrichter Dr. Wolfram von Borzeszkowski als auch für die Staatsanwältin erdrückend war. Die behandelnde Tierärztin schilderte ausführlich den erbärmlichen Zustand des Tieres, zu dem es keinesfalls in nur wenigen Tagen habe kommen können. Außerdem lag in unmittelbarer Nähe des Tieres, das weit entfernt von der Wohnung seiner Besitzerin gefunden wurde, ein Karton, der gut lesbar einen Aufkleber mit dem vollständigen Namen und der Adresse der Beschuldigten trug. Die Pappe war innen mit Urinspuren beschmutzt, ebenso seien Pfotenabdrücke zu sehen gewesen, erinnerte sich der Zeuge, der sich zunächst um den Kater gekümmert hatte. "Das sind ja wohl ein paar Zufälle zuviel. Und dass die Katze den Karton bei Ihnen zuhause mitgenommen hat, wollen Sie mir ja wohl nicht erzählen", appellierte der Richter an die Remscheiderin, ihr Fehlverhalten doch einzuräumen und damit möglicherweise eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen.

Doch die Frau blieb uneinsichtig. Der Kater sei über die offene Balkontüre weggelaufen. Auch wenn das Ordnungsamt sich nach dem Vorfall die Wohnung der Beschuldigten angeschaut und bei zwei weiteren Katzen einen normalen Pflegezustand festgestellt hatte, sah es das Gericht als erwiesen an, dass die Frau sich des kranken Tieres entledigen wollte, um die Tierarztkosten zu sparen.

Wegen Tierquälerei wurde sie zu einer Geldstrafe in Höhe von 20 Tagessätzen à 30 Euro verurteilt. "Ihre Einlassung ist eine Schutzbehauptung. Sie haben dem Tier erhebliche Leiden zugefügt", redete von Borzeskowski der Angeklagten ins Gewissen. Hätte sie den Perserkater rechtzeitig einem Tierarzt vorgestellt, wäre er zu retten gewesen.

Quelle: RP
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