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Remscheid
General Harras fliegt im Windschatten der Nazis

Remscheid. Gerd Silberbauer spielte die Hauptrolle in Carl Zuckmayers Stücks "Des Teufels General" Von Hagen Thiele

Er will doch nur fliegen. Und er will sagen, was er denkt. Er will fliegen und tollkühn sein, mit Freunden bei einem Drink über gewonnene Schlachten reden und Frauenherzen erobern. Mit der Rassenpolitik der NSDAP will er hingegen nichts zu tun haben. Dennoch geht Fliegergeneral Harras einen Pakt mit dem Teufel ein, um auch unter der Nazi-Herrschaft weiterhin als Flieger Ruhm und Anerkennung zu erfahren. Im Spätherbst 1941 holt ihn die bittere Wahrheit ein. Die Gestapo bezichtigt ihn der Sabotage, aber entlässt ihn nach zweiwöchigem Verhör wieder. Zehn Tage geben sie Harras, um seine Unschuld zu beweisen.

Mit einer fabelhaften Leistung brachte das Ensemble des Euro-Studio Landgraf das Schauspiel "Des Teufels General" nach Carl Zuckmayer am Dienstagabend auf die Bühne des Teo-Otto-Theaters. Das intensive Spiel begeisterte das Publikum, das die Darsteller am Ende mit Minuten des Applaus bedachte und sich zuletzt auch fast geschlossen erhob, um den beeindruckenden Abend zu würdigen. Den lautesten Beifall erhielt Gerd Silberbauer, der General Harras mit seinem facettenreichen Spiel zu einer tragischen und faszinierenden Figur machte. Kämpferisch und trotzig rebelliert Silberbauers Harras vor allem zu Beginn des Stücks gegen die NSDAP. "Ein Nazi bin ich nie gewesen, ich war immer nur ein Flieger", schreit er heraus und schreckt am Ende nicht einmal vor Verwünschungen zurück: "Wem das nicht passt, der kann mich mal!" Mit zunehmender Spieldauer scheint das Schicksal des Generals mehr und mehr besiegelt. Die Gewissheit des nahenden Todes zeigte sich auch in Silberbauers Spiel: Der Tonfall wurde matter und leiser, die Körperhaltung schlaff und kraftlos.

Ebenso überzeugten die anderen Darsteller, unter anderem Daniel Pietzuch, Thorsten Nindel, Adrian Spielbauer, Andreas Klein. Sie alle verliehen den zahlreichen Figuren Charakter, der aber immer erst im Zusammenspiel mit Harras deutlich hervortrat. Dann zeigte sich der große Wert von Zuckmayers Stück am deutlichsten. Naive Soldaten kehren vom ersten Einsatz geläutert zurück und wünschen verzweifelt Rat vom Fliegergeneral, wohingegen machthungrige Kapitalisten sich vor ihm dafür rechtfertigen, dass sie die Nazis unterstützt haben. "Jeder hat ein oder zwei Gewissens-Juden, um die er sich ein wenig sorgt, doch das lindert nicht das Leid der anderen 1000", sagt Harras in einer der stärksten Szenen und macht damit deutlich, was er vom Mitläufertum hält.

Quelle: RP
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