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Remscheid
Genussradeln auf den Trassen

Remscheid: Genussradeln auf den Trassen
Am Start-/Endpunkt der Korkenziehertrasse im Südpark-Gelände lockt nicht nur das Restaurant "Stückgut" zur Einkehr. Ein paar Meter weiter eröffnet das "Steinhaus im alten Bahnhof" in Kürze seine Außengastronomie. FOTO: Martin Kempner
Remscheid. Wer sich sportlich betätigt, darf sich auch belohnen. Eine Auswahl von Einkehrmöglichkeiten auf der Korkenzieher- und Balkantrasse. Von Fred Lothar Melchior

Knapp 30 Kilometer (hin und zurück) sind zu wenig: Die Korkenziehertrasse ist zu kurz, um all die Kalorien abzuarbeiten, die rechts und links der Strecke auf den Radfahrer warten. Mit dem großen Angebot im Südpark und in Gräfrath bekommt der Begriff Genussradeln eine interessante kulinarische Facette. Und trotzdem wünscht sich der eine oder andere Trassennutzer mehr von dem, was den kleinen Hunger oder Durst stillt.

"Davon gibt es an den Wuppertaler Strecken mehr", sagt Erwin Weiten. Der Höhscheider nutzt die Korkenziehertrasse seit ihrer Eröffnung. "Vier- bis fünfmal in der Woche bin ich hier unterwegs", erzählt der sportliche Rentner, der gerne gelegentlich einkehren würde. "Aber der Walder Bahnhof ist ja leider meistens zu, ebenso wie die Waggons an der Fuhr."

"Meistens" ist eine Untertreibung: Der Walder Bahnhof empfängt seit einigen Wochen keine Gäste mehr, und das Trassencafé der Fuhrgemeinschaft wurde schon 2015 geschlossen. Bestand hat nur die McDonald's-Filiale am Frankfurter Damm. "Das Café der Fuhrgemeinschaft hat sich nicht getragen", erläutert Tanja Isphording. Sie führt die Geschäfte des Vereins. Zuletzt wurde der "Salonwagen" nur noch an Sonntagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet wie immer noch auf der Homepage des Vereins zu lesen ist. Tatsächlich haben aber lediglich die beiden Fahrradständer mit Werbung der Stadt-Sparkasse noch Bestand.

Den "besonderen Charme" der beiden alten Eisenbahn-Waggons, so Isphording, genießen jetzt Gruppen wie die Rotarier: Sie mieten das ehemalige Trassencafé mit seinen 24 Plätzen, um beispielsweise einen Empfang zu veranstalten. Außerdem finden in den Wagen Deutschkurse und Seminare zur Berufsorientierung statt.

"Darüber sind wir ein wenig betrübt", kommentiert Ralf Schüren, der mit seinen Töchtern Emma und Ida mit Rollern und Rollerskates unterwegs ist. "Wir nutzen die Trasse sehr oft, auch mit unseren Fahrrädern." Als Haaner kennen sie das Angebot in angrenzenden Kommunen und finden, dass Solingen sich noch verbessern kann - auch was die Zahl der Toiletten an der Korkenziehertrasse angeht. "Je attraktiver alles rechts und links der Trasse ist, desto häufiger werden wir sie auch nutzen."

Manchem Radfahrer wird es, speziell an Sonntagen, auf der Trasse dagegen schon zu voll. "Wir sind deshalb oft auf Strecken zum Rhein unterwegs", berichten Heike und Oliver Cestnik. Wenn die Höhscheider in Richtung Gräfrath und zurück radeln, halten sie manchmal am Kunstmuseum. "Am Café-Restaurant Junkbrunnen mit seinem Biergarten kann man gut das Fahrrad abstellen." "Wir haben viele Gäste, die bei schönem Wetter von der Trasse kommen", bestätigt Junkbrunnen-Inhaber Matthias Riedel. "Wir sind ja berühmt für unseren selbst gemachten Käsekuchen. Das wird sich noch weiter herumsprechen."

Wie das Kunstmuseum liegt einige hundert Meter weiter auch die Pizzeria Mare e Monti (mit kleinem Biergarten) direkt an der Trasse. Seit die Gaststätte Nordpol geschlossen hat, ist sie quasi die letzte Einkehrmöglichkeit vor der Autobahn. Radfahrer bestellen sich neben Pizza und Nudeln gelegentlich auch gastronomisch Anspruchsvolleres, erklärt Salvatore Vicari.

Das gibt es auch im Gräfrather Ortskern mit seinen zahlreichen Einkehrmöglichkeiten vom Grill bis zum vornehmen Restaurant. Viele Gastronomen kennen keinen Ruhetag. Auch das Eiscafé Primavera am Markt macht nur von Ende Oktober bis Februar Pause. "Vor allem an Wochenenden kommen Familien auch aus Haan und Düsseldorf", sagt Mimi Sciascia, deren Familie das Café gehört. "Gräfrath ist ein gutes Ziel."

Das gilt auch für das andere Ende (oder den Anfang ?) der Korkenziehertrasse am ehemaligen Hauptbahnhof. "Viele unserer Gäste wohnen in Wuppertal", hat Bobbi Singh beobachtet. Der Chef des Restaurants Stückgut kann fast jeden Tag Radfahrer begrüßen, die gerne an den Stühlen vor dem Restaurant Platz nehmen. Außengastronomie bietet ab dem 20. Mai auch das Restaurant Steinhaus an. "Wir starten zu den Blumen- und Gartentagen", erklärt Thorsten Steinhaus. "Die Biergarten-Küche öffnet um 17 Uhr." Wer lieber zum Kaffeetrinken kommt, kann aber auch hausgemachtes Eis essen.

Zu viele Kalorien ? Wer sich sein Mittag- oder Abendessen oder den Kuchen richtig verdienen möchte, kann ja noch die 5,4 Kilometer lange Bergbahntrasse unter die Räder nehmen und über Theegarten nach Müngsten fahren. Anders als bei der Korkenziehertrasse geht es kräftig bergauf und bergab: 100 Höhenmeter sind zu überwinden. Und ja: Natürlich gibt es auch in Müngsten und Burg gutes Essen.

Quelle: RP
 
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