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Remscheid
Geschichten von Grenzgängern

Remscheid. Bei der Erzählnacht auf Schloss Burg war "assimilieren" ein Zauberwort. Von Bernd Geisler

Das Salz in der Suppe war es nicht- aber der Zucker in der Milch. Mit dieser kleinen, aber feinen Geschichte eröffnete Erzählerin Susanne Tiggemann die Erzählnacht auf Schloss Burg. Es ging um die fremdsprachige ethnisch-religiöse Gruppe der Parsen, die irgendwann in Indien um Daueraufenthalt baten.

Der indische Fürst füllte eine Schüssel randvoll mit Milch - sein Land hatte kein Platz für die Fremdlinge. Der parsische Gesandte schüttete Zucker in die Schüssel, der Zucker verband sich reibungslos mit der Milch, ohne die Schüssel zum Überlaufen zu bringen. Die Parsen durften bleiben.

"Assimilieren" hieß hier das Zauberwort. Mit dieser Erzählnacht begann eine Reihe von Veranstaltungen des Internationen Erzählfestivals "Grenzenlos" der Akademie Remscheid. Sechs Erzähler in drei Räumen der Burg präsentierten ihre Geschichten über "Grenzgänger" interessierten Zuhörern. Drei Gruppen von insgesamt rund 120 Besuchern lauschten den Erzählungen, lachten über die geschilderten Figuren und litten mit ihren Erlebnissen.

Die einzelnen Geschichten konnten unterschiedlicher nicht sein. Hier eine kleine Auswahl: Der gebürtige Holländer Frank Belt erzählte von einer eigentlich unspektakulären Urlaubsfahrt mit dem Wohnwagen ("Holländer und Wohnwagen gehören zusammen") an die spanische Sonnenküste. Doch zwei Tage vor der Rückreise stirbt die mitgenommene Oma. Die Urlauber versuchen, ihre Leiche im Wohnwagen über die Grenzen nach Hause zu schmuggeln ...

Martin Ellrodt hatte sich Gedanken gemacht über die Auswirkungen einer Verdoppelung von Personen: Ein Mensch klont seine Ehefrau. Die beiden Damen gleichen einander zunächst wie ein Ei dem anderen, geraten sich nach einiger Zeit aber in die Haare. Wie kann "ihr" Gatte das Problem lösen? Er hat eine glänzende Idee ...

Tormenta Jobarteh zupfte seine afrikanische Harfenlaute, die Kora, und erzählte dazu mit afrikanischen Lauten und deutschen Worten vom Wassergeist, der auf den stolzen Baumgeist trifft. Die lebendigen und ausgeschmückten Bilder in dieser Geschichte animierten zu Augenschließen und kreativer Meditation. Der Baumgeist befolgt den Rat des Wassergeistes, den "Schritt ins Unbekannte zu wagen". Er verlässt die mächtige Krone seines Baumes und wird eins mit der Natur.

Ähnlich mystisch ging es in der Geschichte von Nicola Hübsch zu. Ein Junge rettet in der Wüste einen Alten vor dem Verdursten. Die Wüste werde es ihm danken, sagt der Gerettete. Jahrzehnte später gerät der ursprüngliche Junge in der Wüste in die gleiche Notlage. Ein junger Mensch rettet ihn. Der Retter ist? ...

Derart ging es in einem fort - immer spannend und nachdenklich, auch, wenn's mal lustig wurde.

Quelle: RP
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