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Remscheid
Gesundheits-Training mit Gleisanschluss

Remscheid: Gesundheits-Training mit Gleisanschluss
Margarete und Ingo Brögelmann vor dem sogenannten Spacecurl, einem speziellen Übungsgerät für das Training der Rumpfmuskulatur. FOTO: Jürgen Moll
Remscheid. Das Ehepaar Brögelmann hat aus dem 107 Jahre alten Lenneper Bahnhof eine moderne Physio-Praxis gemacht. Wenn die älteren Lenneper zu einem ersten Termin ins "Zentrum für Gesundheit" kommen, bitten sie vor dem ersten Training oder der ersten Anwendung oft erst mal um eine kleine Führung. Von Henning Röser

Denn die Physiotherapie-Praxis liegt nicht in einem schlichten Neubau oder in einer Büroetage. Ingo Brögelmann und seine Frau Margarete haben im Herbst 2014 den mittlerweile 107 Jahre alten Lenneper Bahnhof gekauft und das marode Gebäude zu einem modernen Therapie-Zentrum umgebaut. Seit Anfang 2016 kann hier bereits trainiert werden. Nachdem nun auch die letzten baurechtlichen Auflagen erfüllt sind, wird das Haus am 13. Mai mit einem Tag der offenen Tür (10 bis 18 Uhr) feierlich eröffnet.

Die Brögelmanns haben beim aufwendigen Umbau darauf geachtet, dass die Bahnhofs-Geschichte nicht gänzlich verschwindet. Das beginnt mit dem Betreten der Eingangshalle, wo der Kunde im Empfangsbereich noch auf dem schwarz-weißen Boden steht, auf dem zuvor viele Tausende Bahnreisenden auf ihren Zug gewartet, oder ihre Angehörigen von einer Reise abgeholt haben. Bauliche wie finanzielle Gründe waren der Grund, den Boden zu behalten, doch nun gibt er dem Haus ein Stück von seinem besonderen Flair. Zu dem tragen auch die unter Fliesen frei gelegten, verzierten Sandsteinpfeiler bei oder die große Bahnhofsuhr, die aus den Einzelteilen von insgesamt vier Uhren vom Bahnhofsturm zusammengebaut wurde und die noch immer vom alten Uhrwerk aus dem Jahr 1945 bewegt wird.

Die große Uhr hängt in der zweiten der beiden neu eingezogenen und von vier großen Pfeilern getragen Etagen, mit denen Ingo Brögelmann ausreichend Platz für sein Konzept schuf. Hier findet sich auch die spektakulärste Besonderheit. Beim Umbau wurde die Dachkonstruktion freigelegt, "die kein Bahnkunde je zu sehen bekommen hat", berichtet Ingo Brögelmann. Unter dem Dach hängt eine hölzerne Stegkonstruktion, die den Zugang zur Bahnhofsuhr im Turm des Bahnhofes ermöglichte. Sie kann auch jetzt noch für diesen Zweck genutzt werden, dafür muss eine Leiter angelegt werden. Der offizielle Zugang aus einer Wohnung im Nebengebäude darf aus baurechtlichen Gründen nicht genutzt werden.

Die alten Räume der Praxis an der Kölner Straße waren mit 750 Quadratmetern zu klein geworden. Der Bahnhof aber mit seinen 600 Quadratmetern Grundfläche bot zunächst zu wenig Platz. "Zwei Jahre lang sind wir immer wieder am Bahnhof vorbeigefahren", berichtet Brögelmann, der nur einen Steinwurf entfernt in der Gartenstraße aufwuchs. Als sich sonst in Lennep keine passende Immobilie finden ließ, entschied sich das Paar für das Abenteuer Bahnhofs-Umbau.

Ein Schritt, den sie nicht bereuen, trotz aller Kapriolen beim Umbau. "Genesung braucht eine spezielle Umgebung", sagt Margarete Brögelmann, die Wellness-Therapien anbietet. Der alte Bahnhof biete diese Umgebung, das habe sie sofort gespürt. Auch ihre Räume unter dem Dach atmen Bahnhofsgeschichte, weil ein Stück des alten Dachsimses wie in einem Tempel in den Raum hineinragt.

Der Gleisanschluss zur S 7 war ein wichtiges Argument für die Brögelmanns. Zwar gibt es 18 Parkplätze gleich am Haus, aber mit der Bahn kommt man auch sehr bequem und schnell zum Training. Gerade jetzt, wo die Trecknase umgebaut wird. "Sechs Minuten vom Remscheider Hauptbahnhof, vier Minuten von Lüttringhausen" brauche der Müngstener, rechnet der Hausherr vor. Und verweist stolz auf die gute Schalldämmung. Die gerade einfahrende S-Bahn hört man kaum.

Quelle: RP
 
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