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Remscheid
Gitarre - junge Hände zupfen alte Meister

Remscheid. Beim Festival in der Akademie Remscheid überraschten Musiker im Alter zwischen 12 und 16 Jahren. Von Bernd Geisler

Ein Zwölfjähriger spielt Johann Sebastian Bach auf der Gitarre (fast) wie ein "Großer". Am Endes seines Sets legt er sogar noch eines drauf auf die Bühnenbretter: frisch und fit eine Eigenkomposition frei nach Bach. Ein 19-Jähriger tritt bereits so sicher und mit klar bestimmendem Gitarrenspiel auf, dass allen Zuhörern bewusst wird, dass hier einer "mit eigenem Kopf" spielt.

Eine 16-Jährige, mehrfache Bundespreisträgerin des Wettbewerbs "Jugend musiziert", kommt sogar mit einer zweiten Gitarre auf die Bühne. Nach drei Stücken eines klassischen Programms auf der Konzertgitarre präsentiert sie auf ihrer Westerngitarre noch zwei Eigenkompositionen im zeitgemäßen "Fingerstyle"-Stil. Das "Young Generation Concert" am Montagabend anlässlich des diesjährigen Bergischen Gitarrenfestivals "Gitarre '16" bewies sehr eindrucksvoll, dass es an jungen Talenten in der Gitarristenszene nicht mangelt.

Die Gitarre erfreut sich nach wie vor unter der Jugend einer stürmischen Beliebtheit. Sogar die "Ausnahmetalente" sind durchaus keine Seltenheit mehr. Drei davon - Jean Christopher Heßling (12), Aleksandar Andrijewski (19) und Julia Lange (16) - zeigten ihr Können im Auditorium der Akademie Remscheid. Es war ein anspruchsvolles Programm: Barock, Romantik und Moderne gaben sich die Gitarrensaiten in die Hand. Besonders beeindruckte das Selbstbewusstsein der drei jungen Künstler.

Natürlich werden sie ihr Lampenfieber gehabt haben. Die kurzen Momente der Konzentration und inneren Bewusstwerdung vor den ersten Tönen bewiesen es. Aber dann setzte beinahe stoische Gelassenheit ein, um sich ganz dem Spiel zu widmen: Persönlicher Ausdruck, unverblasste Spielfreude sowie hohes künstlerisches und technisches Niveau bestimmten den Vortrag. Jeder, der selbst schon mal in die Saiten einer Gitarre gegriffen hat, weiß, dass dafür Talent alleine nicht ausreicht. Motivation bis in die Fingerspitzen, Ausdauer bis zur Belastungsgrenze und Fleiß ohne Ende sind vonnöten, um zu üben. Ohne Üben, Üben und nochmals Üben kommen solche Talente nicht um die Ecke. Gleichwohl lohnt die Mühe.

Die Freude nach einem gelungenen Konzert ist in ihren Gesichtern abzulesen, hier und da glühten auch am Montag die jugendlichen Wangen. Julia Lange erzählte in ihrer kurzen Ansage, dass sie ihre letzte Eigenkomposition ihres Programms erst gegen vier Uhr morgens unter Dach und Fach hatte. Ein Titel dafür fehle noch. Sie freue sich über Vorschläge. Nun denn, hier sind welche: "I see You Coming", "Touch my Heart", "Walking through my Hometown".

Quelle: RP
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