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Freiheitstraße
"Grüne Welle" soll Ende des Jahres kommen

Freiheitstraße: "Grüne Welle" soll Ende des Jahres kommen
Grüne Welle auf der Freiheitstraße. "Aber wenn ein Laster und eine Schnarchnase an der Ampel stehen, kann das System schon nicht mehr exakt funktionieren", sagt Bernd Wilde, Ingenieur für Verkehrstechnik bei den Technischen Betrieben Remscheid. FOTO: Henning Röser
Remscheid. Die Ampelanlagen an der Freiheitstraße werden nach und nach umgerüstet. Freie Fahrt lässt sich aber nur mit Abstrichen realisieren. Von Christian Peiseler

Hans-Jürgen Saur fährt fast jeden Tag die Strecke von Vieringhausen über die Freiheitstraße, weiter die Neuenkamperstraße bis nach Lennep. Steter ungeliebter Begleiter auf dieser Fahrt über die Freiheitstraße ist der mit einem Kopfschütteln begleitete Ausruf "Das kann doch nicht wahr sein".

Vom Amtsgericht bis zum Willy-Brandt-Platz gleicht seine Fahrt einem mühseligen Stop-and-go. Er steht nach dem Passieren der Kreuzung am Amtsgericht vor einer roten Ampel an der Brucherstraße, wenn er Pech hat auch am Honsberg und später am Willy-Brandt-Platz sowieso. "Auf der Straße, wo die meisten Autos in Remscheid fahren, muss es doch eine Grüne Welle geben", sagt Saur.

Dass der Autoverkehr auf dieser wichtigen Verkehrsachse nicht locker durchfließt, weiß Bernd Wilde, Ingenieur für Verkehrstechnik bei den Technischen Betrieben Remscheid, auch. "Herr Saur hat recht", sagt Wilde. Die Technik stamme aus den 80er Jahren.

In den Sommerferien aber rüsten Techniker die acht Ampelanlagen zwischen Amtsgericht und Willy-Brandt-Platz um. LED-Leuchten ersetzen die alten Birnen. Steht die Anlage auf Rot, werden künftig statt 70 Watt nur noch sechs Watt verbraucht. Für die Annäherung an den Wunschtraum "Grüne Welle" bedarf es aber neuer Steuergeräte, die miteinander so kommunizieren, dass Fahrer wie Hans-Jürgen Saur ohne lästiges Anhalten durch Remscheid fahren können.

"Am besten funktioniert die Grüne Welle am Sonntagmorgen um neun Uhr", sagt Wilde. Der Experte will damit verdeutlichen, dass die Programmierer es mit einem komplexen System an Verkehrsbeziehungen zu tun haben. Auch die momentan klügsten und lernfähigsten Algorithmen können keine volle Zufriedenheit für alle Verkehrsteilnehmer garantieren. In der Computersimulation zeigt sich das Idealbild.

Alle Parameter wie Umlaufzeit der Schaltuhren oder Geschwindigkeit der Autofahrer an den unterschiedlichen Ampelpunkten sind harmonisch aufeinander abgestimmt. "Aber wenn ein Laster und eine Schnarchnase an der Ampel stehen, kann das System schon nicht mehr exakt funktionieren", sagt Wilde. Statt der geplanten fünf Autos bei zehn Sekunden Grünphase, kommen vielleicht nur zwei durch. In die Berechnungen für die "Grüne Welle" müssen auch Autofahrer aus den Seitenstraßen einbezogen werden.

Mit Kameras und an einigen Stellen noch mit Schleifen in der Fahrbahndecke wird registriert, wie viele Autos vor der Ampel stehen. Hinzu kommt: Jedes System muss auch den günstigsten und zumutbaren Zeitpunkt ermitteln, wann die Fußgänger ihr Go bekommen. Um die Aufgabe rechnerisch noch komplizierter zu machen, gibt es in Remscheid noch die sogenannte weiche Busbeschleunigung.

Alle Linien der Stadtwerke verfügen über ein GPS-System, dass der Ampelanlage rechtzeitig signalisiert, wann sie auf Grün schalten soll.Nur so kann einigermaßen garantiert werden, dass die Busse auch den Fahrplan einhalten. "Wer sich hinter einen Bus hängt, hat gute Chancen auf eine Grüne Welle", sagt Wilde. Es muss allerdings ein Bus aus Remscheid sein. Die Linien aus Wuppertal sind mit einer anderen Software ausgestattet, die mit den Remscheider Ampeln nicht sprechen können.

Quelle: RP
 
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