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Remscheid
Grüße aus dem Paradies

Remscheid. Nessie Tausendschön und der Gitarrist William MacKenzie unterhielten ihr Publikum in der Klosterkirche mit Gesang, Musik und lustvollen Wortschamützeln. Von Wolfgang Weitzsdörfer

"Am Anfangsapplaus des Publikums kann der Künstler ablesen, was es für 'ne Woche hatte - bei Ihnen war es wohl eher schlimm", so begrüßte Nessi Tausendschön ihr Publikum am Freitagabend in der Klosterkirche schmunzelnd. Nur um gleich hinzuzufügen, dass dem ganz bestimmt nicht so gewesen sein könne. Schließlich gebe es ja das Kabarett, in das die Menschen zur Erbauung auf jeden Fall gehen sollten. Wobei man aber schon aufpassen müsse, denn es gebe da einen Unterschied, auf den man zu achten habe: "Was ist der Unterschied zwischen einem Comedian und einem Künstler? Der Comedian macht es wegen dem Geld, der Künstler wegen des Geldes." Tausendschön machte es, Genitiv hin oder her, des Spaßes wegen, das wurde gleich von Beginn an deutlich.

Herrlich hemmungslos schwadronierte der gänzlich in schwarz gewandete Lockenkopf über Gott und die Welt, über das Ikea-Småland-Kinderparadies und Ursula von der Leyen oder über den Menschen im Allgemeinen, der im Leben zwischen den Polen "knietief in der Scheiße" und "mitten im Paradies" hin- und hergerissen wird. Begleitet wurde sie dabei von William Mac Kenzie, "dem Prächtigen", an Gitarre, Bass-Saite und Fußtrommel. Der Kanadier sei Flüchtling und zudem Ausländer: "Ich beschäftige ja sogar Ausländer", sagte Tausendschön lächelnd, und an Sätzen wie diesem wurde deutlich, dass die Künstlerin ein ganz kritisches Auge auf die Welt zu werfen in der Lage war: "Wir haben ja tatsächlich ein Mehrweg-System. Wir schmeißen immer mehr weg." Das war Konsumkritik im Rahmen der "Exzesse der Achtsamkeit", die Tausendschön in Lennep feiern wollte.

Exzessiv waren die Lieder nicht, die Tausendschön und MacKenzie präsentierten. Das war schon eher der Rededrang, den die zierliche Künstlerin an den Tag legte. Aber es war einfach nur schön, ihr zuzuhören, wenn sie etwa als Gaby Pachulke über deren Home-Erotik-Eskapaden berichtete. Das fanden auch die rund 70 Zuschauer im Publikum, die sich zwischendurch immer wieder lustvolle Wortscharmützel mit Tausendschön lieferten.

Die Musik hingegen war basischer Blues und Soul von MacKenzie, der optisch dazu passend mit schwarzem Anzug, Hut, Vollbart und Pferdeschwanz ausstaffiert war. Darüber legte Tausendschön ihre Texte, die sie immer wieder mit Kieksen, Juchzen und anderen Geräuschen in einen ganz eigenen Gesangsstil verwandelte.

Zu diesem eher schrägen Konglomerat passte es natürlich auch ganz famos, dass Tausendschön die singende Säge spielte, was auch sonst. Und wenn sie dabei über das Paradies philosophierte, während Mac Kenzie melancholische Nick-Cave-Gitarrenklänge spielte, war man mit ihr im kleinkünstlerischen Paradies angekommen. Denn so witzig die gesprochenen Beiträge auch waren, am besten war Tausendschön immer dann, wenn sie sich mit ihrem musikalischen Partner in die Welt der Musik begab - ganz besonders großartig etwa bei "The Cave", mit Omnicord, Theremin und Gesang übers Megafon. Ein fantastischer Abend, keine Frage.

Quelle: RP
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