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Remscheid
Gülle-Katastrophe - andere Stauseen gerettet

Remscheid: Gülle-Katastrophe - andere Stauseen gerettet
Naturidyll in akuter Gefahr - noch sind die Auswirkungen der massiven Gülle-Einleitung für die Neyetalsperre nicht absehbar. Doch Fachleute sind sich einig: Der Schaden dürfte erheblich sein. FOTO: hertgen
Remscheid. Gefahr des Überlaufs gebannt. Hof-Besitzer an der Neyetalsperre erhält Auflagen. Polizei befragt Zeugen. Experte: Alles Leben vernichtet. Von Solveig Pudelski

Die Gülleverseuchung der Neyetalsperre ist nach Angaben von Experten katastrophal. Die Folgen für das Wasser und das rund 600 Hektar große Remscheider Naturschutzgebiet in diesem Areal sind noch nicht absehbar, und mögliche Strategien zur Eindämmung nicht gefunden. Doch die giftige Brühe hätte nach Angaben der EWR als Trinkwasserversorger und Eigentümer der Talsperre noch Schlimmeres anrichten können: Hätte man die Verbindungen zur Bever- und Eschbachtalsperre nicht sofort geschlossen, wären Keime und Schadstoffe auch in diese Stauseen geflossen.

Nachdem am Mittwochmorgen 1700 Kubikmeter Jauche aus einem Tank auf einem Hof in Kotten bei Halver über eine Wiese, in den Bach Neye und in die Neyetalsperre gelangt waren, versuchen Polizei und Behörden nun dem diffus wirkenden Vorfall auf den Grund zu gehen, den Verursacher zu ermitteln. Wasserproben werden laufend entnommen und untersucht, berichtet der Wupperverband als Betreiber. Mit Ergebnissen wird nächste Woche gerechnet.

Der Eigentümer des Hofes hatte den Vorfall selbst angezeigt und behauptet, Unbekannte hätten die Leitung geöffnet. "In diese Richtung ermitteln wir", sagte Dietmar Boronowski von der Polizei des Märkischen Kreises. Gewässerverunreinigung sei eine Straftat. Über Zeugenbefragungen im Wohnumfeld des Einzelgehöftes hoffe man, Hinweise zu erhalten. Sind sie abgeschlossen, werde "bei einem öffentlichen Interesse die Staatsanwaltschaft eingeschaltet".

Der Hof war den Behörden aber schon früher aufgefallen: Im November 2014 war dort Gülle in geringerem Umfang ausgelaufen. "Damals hatte uns der Eigentümer um Hilfe gebeten, weil der Güllebehälter undicht sei", berichtet Klaus-Peter Isenberg, stellvertretender Leiter der Unteren Wasserbehörde in Lüdenscheid. Dabei stellte sich heraus, dass der neue Gülletank so nicht genehmigt worden war, weil er zwei Meter zu hoch war. "Außerdem war er nicht undicht, er lief über." Der Betreiber wurde aufgefordert, eine Rückhaltevorrichtung zu bauen. Errichten durfte der Landwirt den Tank eigentlich nur, weil er auch einen Bauantrag für einen Viehstall mit 599 Plätzen gestellt hatte, so Isenberg - nach dem Motto: viel Vieh, viel Gülle. Denn für den Eigenbedarf hätte die beiden alten Silos ausgereicht. Der Stall sei aber nicht errichtet worden. Vielmehr lieferten auswärtige Betriebe Gülle und Gärreste an, die der Hofinhaber dann als Lohnunternehmer auf landwirtschaftlichen Flächen ausbringe, sagt Isenberg.

Nach dem Auslaufen der Gülle am Mittwoch sei der Betreiber per Ordnungsverfügung verpflichtet worden, eine Rinne und ein weiteres Auffangbecken zu errichten sowie den Tank besser zu sichern, erklärt Isenberg.

Für den Fischereibeauftragen der EWR, Henning Rauschert, ist der rund 3,7 Kilometer lange Bach Neye, ehemals ein Naturkleinod, tot. Die Talsperre sei mit Keimen und Schadstoffen über Jahre verseucht. "Das ist eine Katastrophe, alles Leben ist vernichtet", beklagt er. Er ist verärgert, dass der Eigentümer seiner Aufsichtspflicht nicht nachgekommen ist und den ordnungsgemäßen Betrieb nicht sichergestellt habe.

Quelle: RP
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