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Remscheid
Gülle-Katastrophe zieht politische Kreise

Tiere sterben durch Gülle in Remscheid
Tiere sterben durch Gülle in Remscheid FOTO: Volker Leipzig, Revierf�rster Ne
Remscheid. Die Sanierungsarbeiten an der Neyetalsperre haben begonnen: Seit gestern Vormittag wird die Gülle, die sich auf dem Grund des Stausees kurz vor der Mauer in Form einer Blase angesammelt hat, durch eine provisorische Leitung abgepumpt und in die Kläranlage Hückeswagen geleitet. Dort wird das Güllewasser aufbereitet.

Die Leitung hat die EWR Remscheid gelegt, für die Aufbereitung ist der Wupperverband verantwortlich. Da die Größe der Gülleblase auf 50 000 Kubikmeter, also 50 Millionen Liter, geschätzt wird, werden Abpumpen und Aufbereiten mehrere Wochen dauern - die Kläranlage Hückeswagen darf nämlich nicht überbeansprucht und in ihrer Reinigungsleistung beeinträchtigt werden.

Während die Sanierungsarbeiten im vollem Gange sind, beginnt jetzt die Diskussion um die politischen Folgen der Gülleeinleitung in die Neye. Die EWR GmbH, Besitzer der Talsperre, und der Wupperverband als Betreiber fordern Konsequenzen. So hat die EWR NRW-Umweltminister Johannes Remmel in einem Brief gebeten, die Aufklärung des Vorfalls zu intensivieren und zu bündeln. Aus Unternehmenskreisen wurde die Kritik laut, dass zu viele Behörden involviert und Zuständigkeiten nicht geklärt seien.Vor allem auch, weil zwei Regierungsbezirke, Köln und Düsseldorf, betroffen sind.

Zudem fordern EWR und Wupperverband in einer gemeinsamen Erklärungen wirksame Maßnahmen, damit eine solche Umweltkatastrophe in Zukunft verhindert wird - und nehmen dabei den Handel mit Gülle ins Visier: "Insbesondere der Gülletourismus und der Güllehandel in NRW haben sich in den letzten Jahren zu einem sehr ernstzunehmenden Problem entwickelt und sind als eine Ursache für diesen Fall anzusehen." Der Bauer, von dessen Hof die Gülle in die Neye lief, betrieb einen kommerziellen Güllehandel. Dies wird der immer lauter werdenden Kritik am Einsatz und Vertrieb des Düngemittels Auftrieb geben. Die Remscheider Landtagsabgeordnete Jutta Velte (Grüne) beabsichtigt, den Vorfall vor den Umweltausschuss zu bringen.

Knietief in der Gülle: Helfer von THW, Forstamt und Nabu versuchten am vergangenen Wochenende Fische zu retten. FOTO: Volker Leipzig

Die Umweltkatastrophe an der Neye wird also noch weiter Thema bleiben, auch weil die langfristigen Schäden noch nicht abzusehen sind. Während klar ist, dass der Bachlauf und die oberhalb der Talsperre gelegenen Teiche ökologisch tot sind, bleiben die Folgen für den Stausee ungewiss. Im Einlauf der Neye hat die Gülle nach Expertenmeinung Fische und Brut abgetötet. Die Fische im anderen Bereich der Talsperre könnten aber überleben, weil sich die Gülle auf dem Boden konzentriere. Das wäre ein kleiner Trost.

(joh)
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