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Remscheid
Gysi ist zu erschöpft für Bürgerfragen

Remscheid. Der Linken-Politiker beeindruckt beim Sommerfest der Partei als Redner. Ein Politiker "zum Anfassen" ist er dort nicht. Von Bernd Geisler

Die Linke hatte eingeladen zum Sommerfest ins Forum Hackenberg. Das Forum war voll. So mancher stand oben im Gang, aber wer wollte, konnte auch noch zwischendurch einen Sitzplatz ergattern. Schließlich passiert es nicht alle Tage, dass Gregor Gysi, der Noch-Fraktionsvorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, sich in Remscheid blicken lässt. Bekannt als unterhaltsamer Redner, der auch schon mal kein Blatt vor den Mund nimmt, wollten viel - und nicht nur Parteifreunde - sich seinen Auftritt nicht entgehen lassen.

Ab sieben Uhr abends erwarteten ihn viele beinahe sehnsüchtig. Vorher hatte die Drei-Mann-Kapelle "Ingo and Friends" mit Tom Pettys "Mary Jane's Last Dance" versucht, die Leute zu unterhalten. Würde Gysi heute auch seinen "letzten Tanz" in Remscheid absolvieren? Hatte er doch bereits seinen Rücktritt vom Fraktionsvorsitz im Bundestag angekündigt. Im Forum rechts und links hingen Transparente mit "Kein Platz für Rassisten" und "Flüchtlinge willkommen heißen". Die Versammlung hieß Gysi herzlich willkommen. Er erschien ein wenig abgehetzt und steuerte schnurstracks aufs Rednerpult zu. Einleitend sagte er, dass dies heute die vierte Versammlung sei, bei der er spreche. Und dann, mit Bezug auf seine eigene Person: "Es erstaunt immer wieder, wozu der Mensch alles fähig ist." Lacher folgten, einige Besucher nickten sich schmunzelnd zu, sie schienen zu wissen, dass Gysi ein glänzender Redner ist, der die Zuhörerschaft in seinen Bann ziehen kann. Es gelang ihm mühelos bei seinen Parteifreunden, dem immer wieder aufbrausenden Beifall nach zu urteilen.

Natürlich hörten ihm auch einige mit Zweifelsfalten auf der Stirn zu - aber sie waren in der Minderzahl. Gysi agierte beeindruckend. Auch ernste Themen wusste er durch lockere Bemerkungen aufzuhübschen, wie "ich bin erstaunt, was ich früher schon alles gewusst habe, bevor es die anderen merkten" oder "harmoniesüchtig und kompromissbereit, wie ich bin". Ein Wort setzte er immer wieder ein: "unerträglich". Er empfand manches einfach "unerträglich". Und als hätte er einen psychologischen Anker bei seinem Publikum gesetzt, klatschten die Leute dann wie auf Kommando Beifall, durchsetzt mit "Bravo"-Rufen. Gregor Gysi sprach nahezu vollständig frei. Formulierungen wie "von Hacke bis Nacke" (über Spionage) oder zum Thema "Frauen": "Den Anteil der Männer beim Kinderkriegen trägt eine Katze auf dem Schwanz weg" erzeugten durchweg Lacher. Leider verschwand er nach seiner Rede sofort ("Ich bin erschöpft."), die geplante Diskussion mit den Gästen fand nicht statt. Dabei hatten die Remscheider Linken im Vorfeld einen Gysi zum Anfassen angekündigt.

Dafür mundeten Getränke und Häppchen danach bestens. Michaela Peters vom Linken-Kreisvorstand nannte Gysis Rede ähnlich wie alle anderen Befragten "motivierend und Auftrieb gebend." Niemand äußerte sich kritisch.

Quelle: RP
 
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