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Remscheid
Haus Müngsten schreibt rote Zahlen

Remscheid: Haus Müngsten schreibt rote Zahlen
Haus Müngsten mit seiner markanten rostbraunen Fassade und den großen Glasfassaden, in denen sich die Brücke spiegelt, wurde 2010 eröffnet. FOTO: Martin Kempner
Remscheid. Im Restaurant unter der Müngstener Brücke muss gespart werden. Verantwortliche beklagen schlechte Infrastruktur. Von Martin Oberpriller

Haus Müngsten werden in Zukunft sprichwörtlich kleinere Brötchen gebacken. Einen Tag nach der Ankündigung der Lebenshilfe als Trägerin des Restaurants, den Vertrag mit dem bisherigen Geschäftsführer René Splitthoff am Ende des Jahres nicht verlängern zu wollen, wurde gestern bekannt, dass der im Jahr 2010 mit vielen Vorschusslorbeeren gestartete gastronomische Betrieb im Brückenpark zwischen Solingen und Remscheid inzwischen längst in die roten Zahlen gerutscht ist.

Eine Entwicklung, die sich, wenn es zu keiner Trendwende kommt, im nächsten Jahr weiter verschärfen dürfte. Denn dann laufen Fördermittel der "Aktion Mensch" aus, die das Projekt bislang unterstützte und das Prestigeobjekt der Lebenshilfe vor einem noch tieferen Sturz in wirtschaftliche Schwierigkeiten bewahrte.

Dementsprechend nervös sind viele Beteiligte. Bei der Lebenshilfe, die in Haus Müngsten rund 15 Menschen, darunter zehn Behinderten, eine Festanstellung gibt, glaubt man die Ursachen für die fortdauernde Misere in den Rahmenbedingungen in Müngsten ausgemacht zu haben. Keine regelmäßige Busanbindung von Solingen aus, nur wenige Parkplätze in unmittelbarer Nähe zum Restaurant und lediglich schwach beleuchtete Wege - hinter vorgehaltener Hand bedauert es bei der gemeinnützigen Organisation inzwischen mancher, vor Jahren Millionen in den Brückenpark gesteckt zu haben.

Darum gibt es bei der Lebenshilfe erneut Bestrebungen, mit den Städten Solingen und Remscheid möglichst schnell noch einmal über jene "strukturellen Defizite" zu sprechen, die nun auch Geschäftsführer René Splitthoff zum Verhängnis wurden. Immerhin, so hieß es gestern bei der gemeinnützigen Organisation, seien die Rathäuser mit in der Pflicht. Denn schließlich übernehme die Lebenshilfe in Müngsten Aufgaben, die ansonsten in den Zuständigkeitsbereich der beiden Kommunen fielen.

Eine Argumentation, die von der Solinger Stadtverwaltung - zumindest in dieser Form - nicht geteilt wird. Die "strukturellen Probleme" in Haus Müngsten hätten andere Ursachen als die Parkraumsituation oder die Busanbindung sagte eine Rathaussprecherin, die darüber hinaus zeitnahen Gesprächen zwischen Stadt und Lebenshilfe eine Absage erteilte. Dahingehend sei augenblicklich nichts geplant, hieß es aus dem Rathaus.

Dabei drängt aber die Zeit. Erfahrungsgemäß gehen die Umsätze in der jetzt beginnenden dunklen und kalten Jahreszeit in Haus Müngsten noch einmal merklich nach unten. Aus diesem Grund entschloss sich die Lebenshilfe zuletzt, die Öffnungszeiten des Restaurants wieder einzuschränken. So bleibt die Gastronomie in den Wintermonaten ab dem 1. November jeweils montags und dienstags geschlossen.

Das bedeutet gleichwohl nicht, dass Haus Müngsten an diesen Wochentagen dann prinzipiell nicht mehr öffnet. Vielmehr ist vorgesehen, das bereits unter Geschäftsführer Splitthoff entwickelte Konzept weiter auszubauen. So wollen sich die Verantwortlichen auch in Zukunft vor allem auf geschlossene Gesellschaften konzentrieren, um vom Tagesgeschäft unabhängiger zu werden.

Allerdings haben Teilnehmer an Kongressen, Hochzeiten oder anderen Feiern die gleichen Schwierigkeiten wie normale Gäste. Die Parkplätze am Haus sind weiter rar gesät, zumal im Brückenpark hinter der Schranke - zumindest offiziell - überhaupt nicht geparkt werden darf.

Und Busse fahren im Winter von Solingen aus gar nicht, was im Übrigen bis auf weiteres so bleiben wird. Denn die Erfahrungen mit dem im Sommer fahrenden "Wanderexpress" zeigten, dass die Strecke höchstens bei gutem Wetter ausgelastet sei, heißt bei den Verkehrsbetrieben.

Quelle: RP
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