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Remscheid
Heidepflanzen bringen Farbe auf das Grab

Remscheid. Der Winter rückt näher. Pünktlich zu Allerheiligen wird es Zeit für eine neue Grabbepflanzung. Eine Floristin und ein Gärtner geben Tipps. Von Cristina Segovia-Buendía

In Friedhofsgärtnereien herrscht zurzeit Hochbetrieb: Vor Monatsende, pünktlich zu Allerheiligen, am ersten November, müssen die Gräber wieder hübsch hergerichtet sein. Heißt, Sommerbepflanzung raus, winterfeste Stauden und Gräser rein. Doch auch der heimische Garten, wenn nicht schon längst geschehen, wird winterfest gemacht. In beiden Fällen lautet die Devise: Die herbstliche Tristesse durch viel Farbe bekämpfen. Floristen und Gärtnermeister verraten, worauf es jetzt ankommt.

Wenn die Tage kürzer werden und die Kälte sich bis in die Knochen schleicht, sollte auch der Garten für den ersten Nachtfrost vorbereitet sein. Die Sommerbepflanzung sollte demnach längst im Winterlager ruhen, die Erde in den Beeten mit dem Spaten ordentlich aufgelockert und mit einer schützenden Schicht Pinienrinde abgedeckt sein. Wie nach einer verlorenen Schlacht, platt und leer gefegt, muss es aber nicht aussehen. Im Gegenteil: Auch der Herbst bietet eine schöne, wenn auch deutlich kleinere Auswahl an bunten Pflanzen. Farbe ist an nass-kalten und trüben Tagen sehr wichtig, findet auch Floristin Denise Koller, Inhaberin des Blumenladens "Altstadt Blumen" in Lennep. "Das hebt einfach die Stimmung." Ihr heimeliges Geschäft an der Wetterauer Straße 3 ist dezent, modern und elegant eingerichtet und lädt zum Eintreten ein. Sie weiß womit sich ihre Kunden gerne eine Freude machen: "Heide ist immer noch sehr beliebt." Neben einigen Beerensträuchern und Gräsern, ist "Calluna Vulgaris", so ihr lateinischer Name, jetzt eine der wenigen Pflanzen, die noch blühen und optisch, durch ihre kräftig lila- bis rötliche Farbe, ein absoluter Blickfang ist. Längst hat sie das Image als reine Friedhofspflanze abgeschüttelt. "Sie wird viel in herbstlichen Sträußen verwendet, für Gestecke aber auch in Balkonkästen und Beeten", sagt Koller.

Auch für kleine Dekoraccessoires, etwa gebunden an kleinen Windlichtern oder jetzt besonders trendig in Betonschalen, kommt die Heide gut zur Geltung. Kombinieren lässt sie sich mit sämtlichen winterfesten Gräsern, berichtet die Fachfrau. Mit dem silbrig schimmernden Stacheldraht oder Silberblatt, die aussehen, als hätte der Frost sie vereist. Doch auch saftiges Tannengrün passt herrlich zur Heide, sagt Koller.

Letzteres ist auch weiterhin der Klassiker für die jetzt besonders nachgefragten Totensonntagsgestecke: "Da arbeiten wir hauptsächlich mit haltbaren Materialien, Zapfen und Fruchtständen, etwas Moos und kleinen Engelsfiguren." Ähnlich wie das heimische Gartenbeet werden auch die Friedhofsgräber zurzeit winterfest gemacht und für Allerheiligen hergerichtet. Sie sollen schön aussehen, wenn Familienangehörige an diesem Tag verstärkt ihren Verstorbenen gedenken. Und auch dort geht der "Trend" weg von der Tristesse, hin zu mehr Farbe bemerkbar, sagt Gärtnermeister Benjamin Wörner. Er betreibt die Friedhofsgärtnerei Wörner an der Kirchhofstraße in fünfter Generation und kümmert sich mit seinem Team um die Grabpflege am Stadtfriedhof und Hasten. "Dreifarbige Heide wird von uns gerne genutzt, allerdings nicht mehr in Kombination mit Silberblatt, sondern eher mit Heuchera." Gräser, Stauden und Rotbeeren werden ebenfalls gerne eingesetzt.

Doch neben Farbe spielt auch Struktur eine große Rolle in der Grabgestaltung, sagt Wörner. "Bei modern gestalteten Beeten kann man mit verschiedenen Blattformen oder Blattoberflächen arbeiten." Auch unterschiedliche Beläge, rot-braune Pinienrinde, weißer Kies, kleinere und größere Steine oder Wurzeln, sorgen zusätzlich für einen optischen Pfiff. Dabei spielt die Größe der Gräber keine Rolle. Grundsätzlich komme es aber immer auf den Kundenwunsch an: "Wenn die Kunden vernünftig beraten werden und sie die Möglichkeiten kennen, dann sieht das Grab hinterher auch schön aus."

Quelle: RP
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