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"Hier darf jeder beten"

"Hier darf jeder beten"
Himmet Ertürk im künftigen Gebetsraum der Moschee FOTO: Moll Jürgen
Remscheid. Viele Monate hat es gedauert, bis Himmet Ertürk für uns erreichbar war. Nun lud uns der Vorstand der Remscheider Ditib-Gemeinde zum Baustellen-Termin in die Moschee. Im Dialog mit Glaubensbrüdern und Nichtmuslimen zeigt er Offenheit.

Im Dezember 2013 wurde das Fundament für die Moschee gelegt, Mitte 2016 sollte sie fertig sein. Das wird nicht gelingen. Warum gab es Verzögerungen?

Ertürk Verzögerungen gab es, weil wir nicht alle Gewerke wie geplant beauftragen konnten. Ein Werk ist ans andere gebunden, und wir erteilen die Aufträge jetzt so, dass wir alle Firmen finanziell bedienen können.

Die im Querschnitt acht Meter messende Kuppel des Gebetshauses ist bereits kunstfertig bemalt und verziert. Jürgen Moll FOTO: BM-Fotos.

Wann wird die Moschee fertig sein?

Ertürk Das kommt auf das Spendenaufkommen an und wie wir die Firmen finanziell bedienen können. Die Remscheider sind ein spendenfreudiges Volk, doch bleiben wir weiter auf solche Spenden angewiesen. Wir werden dann peu à peu die Aufträge erteilen. Ein genaues Eröffnungsdatum steht noch nicht fest.

Was fehlt noch bis zur Fertigstellung?

Ertürk Es ist schon viel passiert auf der Baustelle, von außen ist das Objekt fertig. Es fehlen noch der Trockenbau, die Außenanlagen, Innentüren so wie Maler- und Fliesenarbeiten, also nicht mehr viel.

Wird es ein offenes Haus für alle?

Ertürk Ja, es wird offen für Gläubige und Nichtgläubige sein. Wir stehen für Offenheit und Transparenz. Deshalb haben wir uns auch für eine offene Bauweise entschieden.

Nicht alle Ditib-Gemeinden sehen das offenbar so. In Hagen wurde "Vaterlandsverrätern" der Zugang zur Moschee verwehrt.

Ertürk Bei uns kann jeder beten.

Wie sollen Offenheit und Transparenz in der Moschee künftig sichergestellt werden?

Ertürk Wir werden das Haus für alle öffnen, egal welchen Glaubens. Wir werden zusammenarbeiten etwa mit Kirchen, Schulen, Selbsthilfeorganisationen und Arbeitgebern. Damit können wir allerdings erst nach Fertigstellung des Moscheebaus beginnen. Dass eine solche Zusammenarbeit funktioniert, zeigt das Beispiel im neuen Lindenhof am Honsberg. Dort sind wir auch mit im Boot, und es gibt keine Schwierigkeiten. Das zeigt, dass wir religionsübergreifend etwas gestalten können.

Wird es einen Ruf des Muezzins geben?

Ertürk Nein. Laut Baurecht und den nötigen Genehmigungen ist das nicht vorgesehen.

Woher kommt der Vorbeter?

Ertürk Vorbeter sind Theologen, die in der Türkei ausgebildet werden. Sie arbeiten in der Türkei an einem festen Ort und können nach entsprechender Vorbereitung nach Deutschland gehen. Solche Vorbeter gibt es bei uns seit Gründung unserer Gemeinde 1986.

Wer bildet sie aus? Der türkische Staat?

Ertürk Es gibt mehrere türkische Universitäten, die sie ausbilden. Das ist wie bei den Theologen in Deutschland auch.

Der Ditib wird eine große Nähe zum türkischen Staat nachgesagt. Können Sie nachvollziehen, dass das gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung Misstrauen weckt?

Ertürk Die Ditib ist ein eingetragener Verein nach deutschem Recht so wie jeder Sport- oder Schützenverein in Remscheid auch. Wir halten uns an das Grundgesetz. Die einzige Verbindung zum türkischen Staat besteht darin, dass der Vorbeter aus der Türkei kommt. Es gibt keine sonstigen Verbindungen, auch keine finanziellen.

Waren Sie am Sonntag bei der Pro-Erdogan-Demo in Köln?

Ertürk Nein. Doch sind wir selbstverständlich gegen den Putschversuch. Ansonsten finden wir es nicht in Ordnung, dass das, was in der Türkei passiert mit dem Moscheebau in Remscheid in Verbindung gebracht wird.

Es dürfte aber doch offensichtlich sein, dass das politische Geschehen in der Türkei auch die türkische Gemeinde in Remscheid gespalten hat.

Ertürk Das hat nichts mit der Person Erdogans zu tun. Alle sind auf die Straße gegangen, um den Putsch zu verhindern. Die Demo in Köln war eine Demo gegen den Pusch und für die Demokratie.

Viele ausländische Beobachter sehen derzeit die Demokratie in der Türkei in akuter Gefahr. Sie auch?

Ertürk In der Türkei herrscht derzeit der Ausnahmezustand, so wie übrigens in Frankreich auch. Ich möchte keinem Volk eine solche Situation wünschen. Unabhängig wie man die Situation in der Türkei bewertet, konzentrieren wir uns auf ein gutes Miteinander in unserer Stadt und den Moscheebau.

BERND BUSSANG FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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