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Remscheid
Himmlische Töne auf dem Geiger-Olymp

Remscheid: Himmlische Töne auf dem Geiger-Olymp
Markenzeichen "wilde Mähne" und furiose Spieltechnik - Mani Neuman, Frontmann von "farfarello". und seine Musiker traf vor allem mit älteren Stücken den Musikgeschmack des Publikum in der Klosterkirche. FOTO: jürgen Moll
Remscheid. Farfarello Frontmann Mani Neuman und seine Musiker mixen Folklore mit Bombast-Rock. Von Bernd Geisler

Der Götter-Geiger stieg von seinem Götter-Gipfel und landete bei seinem Volk in der Klosterkirche. "Die Klosterkirche verfolgt mich und ich verfolge sie", sagte Geiger Mani Neuman, Frontmann von "farfarello". Vorher hatte er bereits mit zwei Stücken bewiesen, wo an diesem Abend die Geige hing: auf der Bühne ganz, ganz vorne am Kinn eines theatralischen Akteurs, dem seine Posen wichtiger sind als sein Spiel.

Dahinter dann "farfarello"-Manis Mannen und eine Frau, außer Gitarrist Ulli Brand ins hintere Bühnenlicht verbannt. Sie lieferten den entsprechenden Rückhalt. Für den eigentlichen Götternimbus sorgte die Technik, genauer: ein Hall, der es wolkenreich in sich hatte. Ein Mix aus Echo, Digitaldelay und Looper katapultierte jeden einzelnen Ton in himmlische Sphären und ließ die Englein singen, voll und kraftvoll.

Manis Geige wurde so zur Götterharfe, mit der er auch wie weiland Zeus Blitze werfen konnte. Diesmal in der Gestalt quiekender und jaulender Töne, die durch Mark und Bein gingen, meistens in der doppelten Lautstärke des unaufdringlich im Hintergrund begleitenden Streicher-Trios. Dank Hall bekam auch Brands Gitarrenspiel - eine Meisterleistung in ausdauernden, rasanten Akkordanschlägen - eine Fülle, die jeden simplen A-Dur-Akkord zum Wimmern brachte, weil er sich selbst überholte. Insgesamt bildete alles den nicht unerwarteten, weil seit Jahrzehnten konstanten farfarello-Gesamtsound: Bombast-Rock mit Folklore-Attitüde. Die Band - Ulli Brand (Gitarre), Urs Fuchs (Bass), José Cortijo (Perkussion), Johanna Stein (Cello), Paul Bremen (Violine) und Ulli Heidelberg (Viola) - funktionierte reibungslos wie ein Uhrwerk, das Neumann blendend aufgezogen hatte.

Auch die Stücke des letzten Albums "ZeitZone" ähnelten den vorherigen - farfarello blieb sich treu. Genau das wollten die Leute auch hören. Beifall brandete allerdings stärker bei den älteren Stücken auf. Dann hauchten einige Schöne auch schon mal "einfach wunderbar" zum Nebenmann. Meistens rankten sich die Stücke um ein eingängiges Thema, das in verschiedenen Variationen wiederholt und durch geschickt eingesetzte, dramaturgische Pausen zum Fanal erhoben wurde.

Manis Macho-Gehabe wurde deutlich beim Lied "Serenate", das er "nur für die Frauen im Saal spielte". Die Geige schluchzte Schmalz und lieferte eine Art Kinderwiegenlied. Hätte der soundsichere Techniker den Hall aus dem heroisch als "Kracher, der zum Hurrikan wurde" angekündigten Stück "ZeitZone" genommen, wäre vermutlich vom Hurrikan nicht einmal ein laues Lüftchen übrig geblieben. Grandios trommelte, klopfte und hämmerte sich José Cortijo in die Erinnerung des Publikums. Er spielte stehend. Seinem Cajón entlockte er den Sound einer ganzen Schlagzeugbatterie.

Quelle: RP
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